Politik & Gesellschaft

Darmanin kritisiert Ermittlungsdefizite bei sexualisierter Gewalt gegen Minderjährige

Justizminister Gérald Darmanin wirft Polizei und Gendarmerie schwere Versäumnisse bei der Bearbeitung von Anzeigen wegen sexualisierter Gewalt gegen Minderjährige vor. Polizeigewerkschaften halten ihm vor, die personelle Überlastung der Dienste auszublenden.

Paris – 09.08.2026: Ein Schreiben aus dem französischen Justizministerium verschärft den Streit über den Schutz von Kindern vor sexualisierter Gewalt. Gérald Darmanin beklagt darin nach Berichten von Franceinfo und Le Monde eine Reihe von Defiziten bei Polizei und Gendarmerie. Das zwölfseitige Dokument wurde dem Innenministerium übermittelt. Im Kern geht es um die Frage, ob Anzeigen schnell genug erfasst, weitergeleitet und mit der gebotenen Dringlichkeit bearbeitet wurden.

Die Vorwürfe betreffen eine Ermittlungsarbeit, bei der Verzögerungen den Schutz minderjähriger Betroffener gefährden können. Nach den bislang veröffentlichten Angaben beanstandet der Justizminister Fehler an mehreren Stellen: bei der Aufnahme von Beschwerden, bei der Weitergabe von Akten und bei der Bearbeitung durch die zuständigen Dienste. Konkrete individuelle Verantwortlichkeiten oder mögliche dienstrechtliche Folgen wurden am Sonntag zunächst nicht mitgeteilt.

Auslöser der seit Wochen geführten Debatte sind die bekannt gewordenen Mängel im Fall der elfjährigen Lyhanna im Département Gers. Eine gemeinsame Inspektionsmission hatte im Juni Fehler und unterlassene Schritte bei Justiz und Gendarmerie beschrieben. Die Behörden mussten klären, weshalb frühere Hinweise und Vorwürfe gegen einen später Beschuldigten keine raschere und wirksamere Reaktion der Ermittler ausgelöst hatten.

Darmanin ordnete daraufhin eine landesweite Überprüfung von Verfahren zu sexualisierter Gewalt gegen Minderjährige an. Ende Juni sprach er von 88.000 erfassten Anzeigen und Verfahren. Mitte Juli wurden nach Angaben seines Ministeriums rund 85.000 Vorgänge gezählt, von denen etwa 70.000 erneut geprüft worden waren. Dabei galten 970 Fälle als vorrangig. Die Zahlen beziehen sich auf unterschiedliche Verfahrensstände und lassen keine Rückschlüsse auf Schuld oder Tatnachweise in einzelnen Akten zu.

Die Kritik des Ministers stößt in Polizeikreisen auf scharfen Widerstand. Der Gewerkschaftsverband der Polizeikommissare wertet sie laut Franceinfo als Bruch mit den Sicherheitskräften. Weitere Polizeivertreter verweisen auf hohe Arbeitsbelastung, unbesetzte Stellen und wachsende Aktenberge. Dieser Einwand steht dem Vorwurf gegenüber, dass es in einzelnen Verfahren trotz bekannter Risiken an Aufmerksamkeit, Abstimmung oder konsequenter Priorisierung gefehlt habe.

Die amtlichen Zahlen lassen die Größenordnung erkennen. Polizei und Gendarmerie registrierten 2025 in Frankreich 132.300 Opfer sexualisierter Gewalt; 76.200 von ihnen waren minderjährig. Erfasst sind angezeigte Fälle, nicht das mutmaßliche Gesamtausmaß der Gewalt. Die Gendarmerie verweist zugleich auf spezialisierte Fortbildungen und besondere Schutzverfahren für minderjährige Betroffene.

Der Konflikt berührt damit sowohl mögliche Fehler in konkreten Verfahren als auch die Ausstattung der zuständigen Dienste. Darmanins Schreiben erhöht den Druck auf Staatsanwaltschaften, Polizei und Gendarmerie, Zuständigkeiten und Prioritäten offenzulegen. Zu weiteren Maßnahmen oder Ergebnissen interner Prüfungen lag am Sonntag keine offizielle Mitteilung vor.

Quellen

  • Franceinfo
  • Le Monde
  • Französisches Innenministerium
  • Nationale Gendarmerie

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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