Aktuell · 06.07.2026 00:46
Drôme: Serie von Telefonerpressungen gegen Bäckereien versetzt Handwerk in Alarmbereitschaft
Seit Mitte Juni erhalten Bäckereien und andere Kleingewerbe in der Drôme wiederholt Drohanrufe mit Geldforderungen. Gendarmerie und Präfektur koordinieren die Ermittlungen; Berufsverbände rufen zu Wachsamkeit und Beweissicherung auf.
Drôme – 06.07.2026: In mehreren Gemeinden der Drôme sind Bäckereien und andere Kleingewerbe seit Mitte Juni Ziel einer Serie anonymer Drohanrufe geworden. Die Anrufer fordern unterschiedlich hohe Geldbeträge und setzen kurze Zahlungsfristen; bei Nichtzahlung drohen sie mit Gewalt gegen Inhaberinnen, Inhaber oder deren Angehörige. Nach Angaben Betroffener wurden in einzelnen Fällen Fotos mutmaßlich gefesselter Personen verschickt, um Druck aufzubauen und die Glaubwürdigkeit der Drohungen zu erhöhen.
Mehrere Ladenbesitzer berichten von nahezu identischen Wortlauten und Abläufen, was auf eine koordinierte Erpressungsmasche hindeutet. Demnach erfolgen Erstkontakt und Eskalation meist telefonisch, gefolgt von Messenger-Nachrichten mit Zahlungsanweisungen über schwer nachverfolgbare Dienste. Zahlreiche Betriebe haben Anzeige erstattet; die örtlichen Kommandos der Gendarmerie sammeln Anruflisten, Sprachnachrichten und Screenshots und werten genutzte Telefonnummern sowie potenzielle Zahlungswege aus. Die Präfektur der Drôme ist eingebunden und steht nach Behördenangaben in engem Austausch mit den Ermittlern.
Als unmittelbare Reaktion haben Bäckerinnen und Bäcker ihre Sicherheitsmaßnahmen angepasst: Zusätzliche Überwachungskameras, besser geregelte Kassenabläufe und klar definierte Notfallkontakte gehören inzwischen vielerorts zum Alltag. Berufsverbände wie der Syndicat des Boulangers et Boulangères und die regionalen Handwerkskammern stellen Leitfäden bereit, erinnern an die Pflicht zur Anzeige und raten, auf keinerlei Forderungen einzugehen, persönliche Daten nicht zu teilen und sämtliche Belege zu sichern. In einigen Fällen wurden Läden vorübergehend geschlossen, wenn Drohungen Kinder oder andere Familienmitglieder konkret nannten.
Opferhilfeeinrichtungen berichten laut Betroffenen von verstärkten Anfragen nach psychologischer Unterstützung. Besonders belastend seien die nächtlichen Anrufe und die explizite Schilderung vermeintlicher Übergriffe. Einzelne Betriebe organisierten Nachbarschaftswachen und tauschen sich in lokalen Chatgruppen aus, um verdächtige Nummern und Muster schnell weiterzugeben. Kommunale Stellen verweisen auf bestehende Präventionsangebote und raten, auffällige Vorgänge sofort an die Gendarmerie zu melden.
Die Ermittlungsbehörden prüfen verschiedene Spuren: Neben lokal agierenden Tätern kommt demnach auch eine Steuerung aus dem Ausland in Betracht, etwa mithilfe virtueller Rufnummern, verschleierter IP-Adressen und Prepaid-Zahlungsmittel. Ein Ermittlungsfokus liegt auf wiederkehrenden Textbausteinen und Zahlungsanweisungen, die Rückschlüsse auf Herkunft und mögliche Verbindungen zu bekannten Betrugsschemata erlauben könnten. Die Gendarmerie betont, dass ein koordiniertes Vorgehen der Geschädigten die Auswertung erleichtert und bittet um konsequentes Melden jeder Kontaktaufnahme.
Für das Handwerk in der Drôme bleibt die Lage angespannt. Gewerbetreibende fordern mehr sichtbare Polizeipräsenz zu Stoßzeiten und schnelle Zwischenergebnisse der Ermittlungen, um Vertrauen bei Kundschaft und Personal zu stärken. Präfektur und Gendarmerie haben zugesichert, die Fälle prioritär zu behandeln. Bis zur Klärung raten Behörden und Verbände, Ruhe zu bewahren, keine Zahlungen zu leisten und jede Drohung lückenlos zu dokumentieren.
Quellen
- Franceinfo
- TF1 Info
- Le Dauphiné Libéré
- La Dépêche