Politik & Gesellschaft

Ermittlungen gegen Christian Nègre sollen 2027 abgeschlossen werden

Die seit acht Jahren laufenden Ermittlungen gegen den früheren Kulturbeamten Christian Nègre sollen nach einer Besprechung mit Betroffenen im Laufe des Jahres 2027 enden. Viele der mutmaßlich Geschädigten kritisieren die lange Verfahrensdauer.

Paris – 12.09.2026: Die Ermittlungen gegen den früheren hohen französischen Kulturbeamten Christian Nègre sollen im Laufe des Jahres 2027 abgeschlossen werden. Das berichtete Franceinfo am Samstag nach einer Besprechung mit Vertreterinnen der mutmaßlich Betroffenen. Für viele Frauen, die sich als Opfer chemischer Unterwerfung sehen, bedeutet diese Zeitangabe vor allem eine weitere lange Wartezeit.

Nach dem Treffen beschrieben Betroffene ihre Erschöpfung und Frustration über die Dauer des Verfahrens. Die Untersuchung läuft bereits seit acht Jahren, ein Strafprozess ist bislang nicht angesetzt. Nègre bestreitet nach früheren Berichten wesentliche Vorwürfe. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt für ihn die Unschuldsvermutung.

Ausgangspunkt war eine Anzeige im Juni 2018 in Metz. Seit dem 24. Oktober 2019 führt die französische Justiz nach Angaben der Pariser Staatsanwaltschaft ein gerichtliches Ermittlungsverfahren gegen Nègre. Der frühere Mitarbeiter des Kulturministeriums soll Frauen bei beruflichen Kontakten ohne deren Wissen harntreibende Mittel verabreicht haben. Die Ermittlungen sollen klären, was bei den einzelnen Begegnungen geschah und welche strafrechtliche Verantwortung sich daraus ergeben könnte.

Der Umfang des Verfahrens ist beträchtlich. Im Februar 2026 sprach die Pariser Staatsanwaltschaft von 248 erfassten mutmaßlich Betroffenen. Mehr als 180 Frauen hatten sich dem Verfahren damals als Nebenklägerinnen angeschlossen. Die Behörde rief zudem weitere Personen, die noch nicht vernommen worden waren, dazu auf, sich bei der Zentralstelle zur Bekämpfung von Gewalt gegen Personen zu melden.

Die Ermittler müssen Aussagen, medizinische Fragen und mögliche Tatabläufe aus mehreren Jahren prüfen. Bei Verdachtsfällen chemischer Unterwerfung ist die Beweissicherung häufig besonders schwierig: Manche Substanzen lassen sich im Körper nur für begrenzte Zeit nachweisen, während Betroffene ungewöhnliche körperliche Reaktionen oder Erinnerungslücken mitunter erst später einordnen. Im Fall Nègre kommt die große Zahl der zu prüfenden Schilderungen hinzu. Die Komplexität des Verfahrens erklärt dessen Dauer allenfalls teilweise; für die Frauen bleibt die ausstehende Entscheidung eine erhebliche Belastung.

Anfang Februar hatte die Pariser Justiz noch angekündigt, bis Ende März 2026 über die damals ausstehenden Anhörungen zu informieren. Anschließend sollten weitere Bewertungen und Vernehmungen folgen. Die nun genannte Perspektive reicht deutlich über diesen Zwischenplan hinaus. Ob nach dem Abschluss der Untersuchung Anklage erhoben wird, entscheidet die Justiz auf Grundlage der Ermittlungsergebnisse.

Neben der strafrechtlichen Aufklärung geht es für die Betroffenen um Anerkennung und Unterstützung. Die Staatsanwaltschaft verweist auf Hilfsangebote von France Victimes und Paris Aide aux Victimes. Letztere Organisation hatte nach Angaben der Justiz bereits mehr als 100 Personen aus dem Verfahren betreut. Ein Termin für einen möglichen Prozess steht weiterhin nicht fest.

Quellen

  • Franceinfo
  • Pariser Staatsanwaltschaft

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

Ende des Artikels