Alle Artikel

Fast-Fashion-Gesetz: Protest vor dem Senat – zehn Tonnen Textilmüll abgeladen

Seit einem Jahr wartet das französische Fast-Fashion-Gesetz darauf, im Senat behandelt zu werden – doch bislang ohne Erfolg. Um auf die Untätigkeit der Politik aufmerksam zu machen, hat das Kollektiv Stop Fast-Fashion am 14. März eine spektakuläre Protestaktion organisiert: Zehn Tonnen alter Kleidung wurden vor den Toren des Senats abgeladen. Zwischen den schwarzen und gelben…

Illustration Nachrichten.fr
KI-Illustration

Seit einem Jahr wartet das französische Fast-Fashion-Gesetz darauf, im Senat behandelt zu werden – doch bislang ohne Erfolg. Um auf die Untätigkeit der Politik aufmerksam zu machen, hat das Kollektiv Stop Fast-Fashion am 14. März eine spektakuläre Protestaktion organisiert: Zehn Tonnen alter Kleidung wurden vor den Toren des Senats abgeladen.

Zwischen den schwarzen und gelben Müllsäcken ragte eine Schaufensterpuppe hervor – bekleidet mit Billigmode und einer unmissverständlichen Botschaft: „Nein zur Fast-Fashion“.

Ein Gesetz gegen Wegwerfmode – und eine verschleppte Debatte

Bereits im März 2024 hatte die Nationalversammlung das Gesetz einstimmig verabschiedet. Doch anstatt es weiterzubearbeiten, hat der Senat das Thema einfach von seiner Tagesordnung gestrichen. Das Kollektiv, das unter anderem von Organisationen wie Max Havelaar, Amis de la Terre, Emmaüs und ZeroWaste unterstützt wird, spricht von „politischer Trägheit“ – und fordert, dass die Gesetzesvorlage endlich behandelt wird.

Das Gesetz soll unter anderem:

  • Besonders umweltschädliche Kleidung mit einer Abgabe belegen – bis zu 50 % des Verkaufspreises ab 2030
  • Werbung für Fast-Fashion verbieten, ähnlich wie die „Loi Evin“ für Alkohol

Kein Wunder, dass Großkonzerne wie Shein, Zara, H&M und Primark gegen das Gesetz Sturm laufen. „Diese Marken produzieren am anderen Ende der Welt und können heute tun, was sie wollen“, kritisiert Pierre Condamine von Amis de la Terre.

Überflutete Kleiderkammern und Textilmüll ohne Ende

Nicht nur die Umwelt leidet unter der Billigmode, sondern auch Second-Hand-Organisationen wie Emmaüs. Tarek Daher von der Hilfsorganisation beschreibt das Problem drastisch: „Diese zehn Tonnen Müll stehen symbolisch für das Chaos, das wir in unseren Lägern erleben. Wir wissen nicht mehr, wohin mit all den Klamotten.“

Die Zahlen sprechen für sich: In Frankreich kauft jede Person durchschnittlich 40 Kleidungsstücke pro Jahr – ein Konsumverhalten, das immer mehr aus dem Ruder läuft.

Protestaktionen in ganz Frankreich

Nicht nur in Paris wird demonstriert. Auch in anderen Städten haben Aktivisten Berge von Kleidung aufgeschichtet, um ein Zeichen zu setzen:

  • Dijon: Auf dem Place du Bareuzai riefen rund 20 Aktivisten die Menschen auf, eine Petition an die örtlichen Senatoren zu unterschreiben.
  • Périgueux (Dordogne): Eine Tonne Altkleider wurde auf den Allées Tourny deponiert.
  • Valence (Drôme): Auch hier gab es eine Protestaktion in der Innenstadt.

Die Botschaft ist klar: Das Gesetz muss durchgesetzt werden – und zwar schnell.

Textilindustrie: Umweltzerstörung und Ausbeutung

Neben den ökologischen Folgen rücken die Aktivisten auch die katastrophalen Arbeitsbedingungen in der Modeindustrie in den Fokus. Viele Fast-Fashion-Produkte stammen aus Asien, wo Arbeiterinnen für Hungerlöhne schuften.

Valéria Rodriguez von Max Havelaar erinnert an die Tragödie des Rana Plaza in Bangladesch, das 2013 einstürzte und über 1.100 Menschen das Leben kostete: „Ein Arbeiter verdient dort heute etwa 90 Euro im Monat – ein existenzsichernder Lohn läge bei 180 Euro.“ Dazu kommen extreme Arbeitszeiten, fehlende Sicherheitsvorkehrungen und miserable Arbeitsbedingungen.

„Dieser Berg an Kleidern steht auch für diese Armut“, sagt Rodriguez.

Regierung verspricht: Das Gesetz bleibt eine „Priorität“

Die Proteste haben Wirkung gezeigt – zumindest rhetorisch. Agnès Pannier-Runacher, Ministerin für ökologischen Wandel, versichert, dass das Gesetz weiterhin Priorität habe. Sie hoffe auf eine Behandlung im Senat noch vor dem Sommer.

Doch bis es so weit ist, bleibt die Frage: Wie lange kann die Politik den Druck der Textillobby noch aushalten?

Von C. Hatty

https://twitter.com/vakitamedia/status/1900514937673306404

Ende des Artikels