Wirtschaft

Frankreich bleibt Nettozahler der Europäischen Union

Die Nationalversammlung hat für 2027 eine höhere Zahlung an den Haushalt der Europäischen Union gebilligt. Der Wiederaufbauplan verringerte Frankreichs Nettobeitrag erheblich, doch die offiziellen Zahlen ergeben je nach Berechnung ein unterschiedliches Bild.

Paris – 15.10.2026: Die Nationalversammlung hat die geplante französische Zahlung an den Haushalt der Europäischen Union für 2027 gebilligt. Artikel 55 des Haushaltsentwurfs wurde am Mittwochabend mit 111 gegen 93 Stimmen angenommen. Vorgesehen sind 30,9 Milliarden Euro, rund 2,1 Milliarden Euro mehr als 2026. Die Abstimmung löste eine scharfe Debatte darüber aus, wie Frankreichs finanzielle Bilanz gegenüber der Europäischen Union zu bewerten ist.

Nach der üblichen Haushaltsrechnung bleibt Frankreich Nettozahler: Das Land überweist mehr in den regulären europäischen Haushalt, als es daraus über Förderprogramme zurückerhält. Seit der Pandemie wird diese Bilanz jedoch durch den gemeinsamen Wiederaufbauplan verzerrt. Dessen zusätzliche Mittel stammen aus europäischen Anleihen und gehören nicht zum regulären mehrjährigen Finanzrahmen.

Nach Angaben der Europäischen Kommission zahlte Frankreich von 2021 bis 2024 durchschnittlich 26,2 Milliarden Euro jährlich in den europäischen Haushalt ein. Aus dem regulären Finanzrahmen flossen im Mittel 16,4 Milliarden Euro pro Jahr zurück. Einschließlich des Wiederaufbauplans erreichten die jährlichen Rückflüsse durchschnittlich 25,1 Milliarden Euro. Nach dieser Rechnung blieb ein Nettobeitrag von rund 1,1 Milliarden Euro im Jahr.

Der Franceinfo-Beitrag, der die aktuelle Debatte ausgelöst hat, kommt unter Einbeziehung der Wiederaufbaumittel zu einer günstigeren Bilanz für Frankreich. Die Abweichung macht deutlich, wie stark das Ergebnis von Zeitraum, Abgrenzung und Verbuchung der Sondermittel abhängt. Hinzu kommt, dass die gemeinsamen europäischen Anleihen später aus dem Haushalt der Europäischen Union bedient werden müssen.

Frankreich stehen aus der Aufbau- und Resilienzfazilität insgesamt 40,3 Milliarden Euro an Zuschüssen zu. Bis Mai 2025 hatte die Kommission davon 34,2 Milliarden Euro ausgezahlt. Die Mittel flossen unter anderem in energetische Sanierungen, die Dekarbonisierung von Industriestandorten, Digitalisierung, Ausbildung und Krankenhäuser.

Eine wichtige Rolle bei den regulären Rückflüssen spielt die Gemeinsame Agrarpolitik. Frankreich erhielt daraus 2023 rund 9,4 Milliarden Euro und war dem Volumen nach der größte Empfänger dieser Agrarhilfen. Für den Zeitraum von 2021 bis 2027 sind etwa 66,2 Milliarden Euro vorgesehen. Weitere Zahlungen kommen aus der Kohäsionspolitik sowie aus Forschungs- und Regionalprogrammen.

Abgeordnete des Rassemblement National wollten den französischen Beitrag deutlich senken; auch La France insoumise verlangte Kürzungen. Europaminister Benjamin Haddad verwies dagegen auf den von allen Mitgliedstaaten beschlossenen Finanzrahmen für 2021 bis 2027. Eine einseitige Kürzung wäre mit den gemeinsamen Haushaltsregeln kaum vereinbar und könnte Programme treffen, von denen französische Landwirte, Regionen, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen profitieren.

Quellen

  • Franceinfo
  • Europäische Kommission – Vertretung in Frankreich
  • Französisches Haushaltsministerium
  • Le Monde

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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