Paris – 08.09.2026: Frankreich will im diplomatischen Dienst künftig auf Weltkarten verzichten, die nach der Mercator-Projektion gezeichnet sind. Außenminister Jean-Noël Barrot kündigte den Schritt am 4. September in Paris an. Das Außenministerium setzt künftig auf Darstellungen, die den tatsächlichen Flächenverhältnissen der Kontinente näherkommen und dem jeweiligen Zweck einer Karte entsprechen.
Der Beschluss folgt der von der Afrikanischen Union unterstützten Kampagne Correct The Map. Sie richtet sich gegen die verbreitete Mercator-Projektion, die im 16. Jahrhundert für die Navigation entwickelt wurde. Diese bewahrt Winkel und Richtungen, vergrößert jedoch Gebiete in Polnähe erheblich. Afrika, Lateinamerika und Teile Südostasiens erscheinen dadurch im Verhältnis zu Europa, Russland, Nordamerika und Grönland deutlich kleiner.
Am 4. September verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen eine von Togo im Namen der afrikanischen Staatengruppe eingebrachte Resolution. Nach Angaben der Vereinten Nationen stimmten 164 Staaten dafür, ein Staat dagegen; sechs enthielten sich. Der nicht bindende Text schreibt keine bestimmte Weltkarte vor. Er empfiehlt Regierungen, internationalen Organisationen und Bildungseinrichtungen jedoch Projektionen, die Flächen angemessener wiedergeben.
Frankreich unterstützt damit eine Priorität der Afrikanischen Union und verbindet die kartografische Frage mit seiner Politik gegenüber afrikanischen Staaten. Barrot begründete den Kurswechsel mit dem Anspruch, die Welt möglichst zutreffend abzubilden. Verzerrungen auf Karten könnten sich über lange Zeit in der Wahrnehmung von Größe, Gewicht und Bedeutung einzelner Regionen festsetzen.
Eine einheitliche Ersatzprojektion schreibt das Außenministerium nicht vor. Stattdessen sollen Karten nach ihrem Verwendungszweck und auf Grundlage wissenschaftlicher Empfehlungen ausgewählt werden. Für die Seefahrt bleibt die Mercator-Projektion wegen ihrer geraden Kurslinien technisch nützlich. Als allgemeine Weltkarte im Unterricht, in der öffentlichen Kommunikation oder bei diplomatischen Präsentationen eignet sie sich dagegen kaum für Flächenvergleiche.
Als mögliche Alternative gilt die 2018 vorgestellte Equal-Earth-Projektion. Sie erhält die relativen Flächen von Ländern und Kontinenten weitgehend, nimmt dafür aber andere geometrische Verzerrungen in Kauf. Denn eine vollkommen unverzerrte Übertragung der annähernd kugelförmigen Erde auf eine Ebene ist mathematisch unmöglich. Die Resolution setzt deshalb keine endgültige kartografische Norm, sondern verlangt eine bewusstere Auswahl der jeweils geeigneten Darstellung.
Der Wechsel verändert auch das gewohnte Bild Frankreichs: Auf flächentreuen Weltkarten erscheinen das Land und andere Gebiete der nördlichen Breiten kleiner als in der Mercator-Projektion. Die Vereinten Nationen haben diese nicht abgeschafft, sondern lediglich den breiteren Gebrauch flächengerechter Karten empfohlen.
Quellen
- Franceinfo
- Ministerium für Europa und auswärtige Angelegenheiten Frankreichs
- Vereinte Nationen – Büro der Sonderberaterin für Afrika
- Afrikanische Union
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).