Paris – 19.09.2026: Die französische Kinowoche, die am 16. September begonnen hat, versammelt auffallend viele Geschichten über Abhängigkeit, Bedrohung und Erinnerung. Zu den Neustarts gehören "Si tu penses bien", "Histoires de la nuit", "Les Contrebandiers", "L'Invitation", "Sham", "La Ligne bleue" und "La Vie en relief – Jacques Henri Lartigue". Das Programm reicht vom psychologischen Drama über Thriller und Western bis zum Dokumentarfilm.
Besondere Aufmerksamkeit gilt Géraldine Nakaches "Si tu penses bien". Die bislang vor allem mit leichteren Stoffen verbundene Regisseurin erzählt von Gil, die nach einer intensiven Begegnung mit Jacques zunehmend in eine kontrollierende Beziehung gerät. Monia Chokri und Niels Schneider spielen ein Paar, dessen vermeintliche Gewissheiten sich in ein Geflecht aus Druck, Glaubenssätzen und Isolation verwandeln. Der Film war zuvor in der Reihe Cannes Premiere bei den Filmfestspielen von Cannes 2026 zu sehen.
Seine Beklemmung gewinnt das Werk daraus, dass Gewalt weniger als plötzlicher Ausbruch denn als schleichende Vereinnahmung erscheint. Statt ein bequemes moralisches Urteil zu liefern, beobachtet Nakache, wie Gil allmählich die eigenen Maßstäbe verliert. So bewegt sich der Film zwischen intimem Beziehungsdrama und psychologischem Thriller.
Einen ebenfalls düsteren Ton schlägt Léa Mysius mit "Histoires de la nuit" an. Die Handlung führt auf eine abgelegene Farm, auf der Nora und Thomas mit ihrer Tochter Ida sowie der italienischen Nachbarin Cristina leben. Während der Vorbereitungen für einen Geburtstag dringen drei Männer in das Anwesen ein. Mit Hafsia Herzi, Benoît Magimel und Bastien Bouillon wird die ländliche Abgeschiedenheit, die zunächst Schutz verspricht, zur Falle.
Amerikanisches Genrekino bietet Padraic McKinleys "Les Contrebandiers", dessen Originaltitel "The Weight" lautet. Ethan Hawke spielt Samuel Murphy, der 1933 in Oregon in einem Arbeitslager festgehalten wird. Ein Aufseher verspricht ihm die Freiheit, falls er einen illegalen Goldtransport übernimmt. Auch Russell Crowe gehört zur Besetzung. Die Geschichte verbindet Schuld und Vaterliebe mit den Motiven eines rauen Abenteuerwesterns.
Olivia Wildes "L'Invitation", international als "The Invite" geführt, lässt dagegen ein Abendessen eskalieren. Ein seit Langem verheiratetes Paar lädt Nachbarn ein; die Gespräche werden zunehmend intim und unbequem. Seth Rogen, Wilde und Penélope Cruz tragen eine Komödie, deren Witz aus dem Zusammenprall bürgerlicher Höflichkeit und demonstrativer Freizügigkeit entsteht.
Zwei Dokumentarfilme widmen sich der französischen Erinnerung. Marie Dumoras "La Ligne bleue" führt nach Natzwiller im Bruche-Tal, dessen Geschichte vom Konzentrationslager Natzweiler-Struthof überschattet wird. Denis Gaubert macht in "La Vie en relief – Jacques Henri Lartigue" frühe stereoskopische Fotografien Lartigues räumlich erfahrbar. Die zwischen 1903 und 1929 entstandenen Bilder bewahren Bewegung, Übermut und den flüchtigen Luxus einer vergangenen Epoche.
Quellen
- Franceinfo Culture
- Festival de Cannes
- Le Monde
- AlloCiné
- La Tribune
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).