Politik & Gesellschaft

Frankreichs Regierung plant Gehaltsstopp im öffentlichen Dienst

Frankreichs Regierung will den Indexwert für die Bezüge im öffentlichen Dienst 2027 erneut einfrieren und damit rund zwei Milliarden Euro sparen. Die Gewerkschaften rufen für den 29. September zu Streiks und Demonstrationen auf.

Paris – 17.09.2026: Die französische Regierung will den Indexwert, auf dessen Grundlage die Grundbezüge im öffentlichen Dienst berechnet werden, 2027 erneut nicht anheben. Premierminister Sébastien Lecornu stellte die Maßnahme am Mittwoch als Teil seines Haushaltskurses vor. Nach seinen Angaben soll der Verzicht auf eine allgemeine Erhöhung rund zwei Milliarden Euro einsparen. Betroffen wären Bedienstete des Staates ebenso wie Beschäftigte der Gebietskörperschaften.

Lecornu kündigte Gespräche mit den Gewerkschaften an, um Beschäftigte mit niedrigen Einkommen vor zusätzlichen Kaufkraftverlusten zu schützen. Konkrete Ausgleichsmaßnahmen nannte die Regierung zunächst nicht. Schon beim Gehaltsgespräch im Sommer hatte die Verwaltung erklärt, für 2026 und 2027 weder eine allgemeine Anhebung des Indexwerts noch eine neue berufsgruppenspezifische Zulage vorzusehen.

Sophie Binet, Generalsekretärin des Gewerkschaftsbundes Confédération générale du travail, bezeichnete den erneuten Gehaltsstopp als Skandal. Der Indexwert ist ein Kernstück der französischen Besoldung: Multipliziert mit dem Wert der jeweiligen Laufbahn- und Dienstaltersstufe bestimmt er einen wesentlichen Teil des Bruttogehalts von Beamten und zahlreichen Vertragsbediensteten. Eine Anhebung wirkt deshalb unmittelbar auf die Personalausgaben der öffentlichen Arbeitgeber.

Die Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes haben für den 29. September 2026 zu Streiks und Demonstrationen aufgerufen. Die Confédération générale du travail fordert höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen und zusätzliche Mittel für öffentliche Einrichtungen. Der Aufruf richtet sich unter anderem an Beschäftigte in Verwaltungen, Schulen, Krankenhäusern, Rettungsdiensten und Kommunen. Auch die Union nationale des syndicats autonomes kritisiert die geplante vierte allgemeine Nullrunde in Folge.

Die Auseinandersetzung hat eine längere Vorgeschichte. Nach Angaben des französischen Senats stieg der Indexwert zwischen 1995 und 2026 um 21,86 Prozent, der gesetzliche Mindestlohn dagegen um 113,12 Prozent. Die Zahlen erlauben keinen unmittelbaren Einkommensvergleich, weil auch Laufbahnstufen, Zulagen und Sozialabgaben die Bezüge beeinflussen. Sie erklären jedoch, weshalb die Gewerkschaften den Verlust an Kaufkraft zum Kern ihrer Kritik machen.

Für Lecornu ist der Gehaltsstopp Teil des Versuchs, den Haushalt 2027 ohne allgemeine Steuererhöhungen zu konsolidieren. Die Regierung verbindet den Sparkurs mit der bislang nicht näher ausgeführten Zusage, untere Gehaltsgruppen gezielt zu schützen.

Zugleich verschärft die Maßnahme die Personalprobleme des öffentlichen Dienstes, besonders in Pflege, Bildung und kommunalen Verwaltungen. Der Senat warnte Anfang 2026 zudem vor einer Stauchung der Besoldungstabellen: Wenn untere Gehaltsstufen wegen des steigenden Mindestlohns angehoben werden müssen, während der Indexwert unverändert bleibt, schrumpfen die Abstände zwischen den Laufbahnstufen. Der für den 29. September angekündigte Aktionstag bündelt damit den Widerstand gegen einen zentralen Baustein des Haushaltsplans.

Quellen

  • Franceinfo
  • TF1 Info
  • Französisches Portal für den öffentlichen Dienst
  • Confédération générale du travail
  • Französischer Senat
  • Union nationale des syndicats autonomes Fonction Publique

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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