Paris – 29.09.2026: Frankreichs öffentliche Schulden haben am Ende des zweiten Quartals 2026 rund 119 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreicht. Im Jahr 2017 hatte die Quote noch bei 101,2 Prozent gelegen. Damit ist die Verschuldung im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung binnen neun Jahren um knapp 18 Prozentpunkte gestiegen. Der jüngste Zuwachs fällt in eine Phase schwacher Konjunktur und anhaltend hoher staatlicher Defizite.
Den stärksten Bruch verursachte die Covid-19-Pandemie. Der Staat finanzierte Kurzarbeit, Unternehmenshilfen, zusätzliche Gesundheitsausgaben und garantierte Kredite, während infolge des wirtschaftlichen Einbruchs die Einnahmen sanken. Die öffentlichen Haushalte übernahmen eine Stabilisierungsfunktion, die einen noch stärkeren Produktionsverlust und eine Insolvenzwelle verhindern sollte. Zugleich wuchs der Schuldenstand, während das Bruttoinlandsprodukt zeitweise schrumpfte. Beides trieb die Quote rasch nach oben.
Auf die Pandemie folgte 2022 die Energiekrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. Frankreich begrenzte Strom- und Gaspreise für private Haushalte und Unternehmen, gewährte Kaufkrafthilfen und verringerte zeitweise die Belastung durch hohe Kraftstoffpreise. Diese Eingriffe dämpften den Inflationsschock, verursachten jedoch erhebliche zusätzliche Ausgaben. Die Hilfen wurden später zurückgefahren, trafen aber auf einen bereits stark erhöhten Schuldenstand.
Hinzu kommen fiskalpolitische Entscheidungen seit Beginn der Präsidentschaft Emmanuel Macrons. Die schrittweise Abschaffung der Wohnsteuer auf Hauptwohnsitze, der niedrigere Körperschaftsteuersatz und Entlastungen bei den Produktionssteuern schmälerten die laufenden Einnahmen. Befürworter verweisen auf positive Wirkungen für Investitionen und Beschäftigung. Für die Staatsfinanzen bedeuteten die Reformen jedoch, dass steigende Ausgaben und Krisenkosten nicht vollständig durch höhere reguläre Einnahmen ausgeglichen wurden.
Die Zinswende verschärft den Druck. Über Jahre profitierte Frankreich von äußerst niedrigen Finanzierungskosten. Nun müssen auslaufende Anleihen zu höheren Sätzen ersetzt werden. Im Staatshaushalt 2026 sind für den Schuldendienst einschließlich der übernommenen Verbindlichkeiten von SNCF Réseau rund 59,3 Milliarden Euro vorgesehen. Gegenüber dem Haushaltsansatz für 2025 entspricht das einem Anstieg um 4,6 Milliarden Euro.
Die Schuldenquote ist allerdings kein unmittelbares Maß für die jährliche Neuverschuldung. Sie setzt den nominalen Schuldenstand ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt und reagiert daher ebenso auf Wachstum und Inflation. Auch finanzielle Transaktionen oder veränderte staatliche Kassenbestände können dazu führen, dass sich Schuldenstand und Defizit unterschiedlich entwickeln. Quartalswerte werden zudem mitunter revidiert.
Die Banque de France erwartet für 2026 weiterhin ein öffentliches Defizit von 5,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, sofern keine zusätzlichen Sparmaßnahmen beschlossen werden. Ihrer Juni-Projektion zufolge könnte die Schuldenquote bis Ende 2028 auf 122 Prozent steigen. Damit läge Frankreich weit über dem Maastricht-Referenzwert von 60 Prozent und auch über der für 2028 erwarteten Quote des Euroraums von 90 Prozent.
Quellen
- Franceinfo
- Nationales Institut für Statistik und Wirtschaftsstudien
- Französische Haushaltsdirektion
- Banque de France
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).