Paris – 25.09.2026: Unter zwei Innenhöfen des Hôtel-Dieu auf der Île de la Cité ist ein Fund ans Licht gekommen, der die Frühgeschichte von Paris neu ordnen könnte. Archäologen legten dort im Sommer einen rund 20 Meter langen Wall aus Stein und Holz frei. Seine Bauweise verweist auf gallische Befestigungen der späten Eisenzeit, also auf die Zeit vor der römischen Eroberung.
Entdeckt wurde die Anlage bei einer seit Februar laufenden Präventivgrabung. Das archäologische Fachamt der Stadt Paris und das Nationale Institut für präventive archäologische Forschung untersuchen das Gelände vor einem geplanten Umbau des Krankenhausbereichs. Hinter dem Wall liegt eine fast zwei Meter starke, künstlich aufgeschüttete Plattform aus Sand und Kies. Das Ensemble erscheint sorgfältig angelegt und nicht wie ein zufällig gesetzter Mauerzug.
Die Steine weisen starke Hitzeeinwirkungen auf. In unmittelbarer Nähe fanden die Fachleute verkohlte Samen und Überreste eines verbrannten Holzbaus. Erste Radiokarbondatierungen von Holzelementen verweisen auf den Zeitraum zwischen 200 und 10 vor Christus. Am Fuß der Anlage wurde zudem eine gallische Lanzenspitze geborgen. Ob alle Spuren zu demselben Ereignis gehören, müssen weitere Untersuchungen klären.
Damit rückt erneut die Frage nach dem Oppidum der Parisii in den Blick. Als Oppidum bezeichnen Archäologen eine befestigte Siedlung der späten Eisenzeit. Julius Caesar beschrieb Lutetia als Ort der Parisii auf einer Seine-Insel. Für das Jahr 52 vor Christus berichtete er außerdem, die Bewohner hätten ihre Anlagen vor den heranrückenden Römern selbst niedergebrannt. Der neue Befund ließe sich mit dieser Überlieferung vereinbaren, beweist sie jedoch nicht.
Über Jahrhunderte fehlten auf der Île de la Cité eindeutige archäologische Spuren einer strukturierten gallischen Besiedlung. Deshalb galt auch Nanterre als möglicher Standort des vorrömischen Lutetia. Der nun entdeckte Wall könnte die Debatte verändern. Seine genaue Funktion, sein Baudatum und der Zeitpunkt des Brandes sind allerdings noch offen.
Die regionale Kulturbehörde ordnete eine ergänzende Grabung an, nachdem eine Fachkommission den Fund Mitte September als außergewöhnlich bedeutsam eingestuft hatte. Untersucht werden sollen mögliche Anlagen zur Seine hin sowie ältere Schichten unter dem Wall.
Wegen seines fragilen Zustands und des Bauprojekts kann das Bauwerk nicht am Fundort erhalten werden. Vorgesehen sind ein Abguss, eine digitale Dokumentation durch Photogrammetrie und dreidimensionale Rekonstruktion sowie der behutsame Abbau. Eine rekonstruierte Partie mit originalen Verblendsteinen soll später in einem Pariser Museum ausgestellt werden.
Quellen
- Franceinfo
- Französisches Kulturministerium
- Paris antique, Portal des französischen Kulturministeriums
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).