Umwelt

Gebrauchte ATR 72 sollen Frankreichs Löschflotte verstärken

In Toulouse-Blagnac entwickeln zwei französische Unternehmen Löschflugzeuge auf Basis gebrauchter ATR 72. Die ersten Maschinen könnten 2027 beziehungsweise 2029 einsatzbereit sein, sofern Erprobung und Zulassung gelingen.

Toulouse-Blagnac – 19.08.2026: In einem Hangar am Flughafen Toulouse-Blagnac nimmt eine neue Generation französischer Löschflugzeuge Gestalt an. Statt Maschinen von Grund auf zu entwickeln, wollen zwei Unternehmen gebrauchte Regionalflugzeuge vom Typ ATR 72 für die Brandbekämpfung umrüsten. Die Projekte sollen Frankreichs alternde und in heißen Sommern stark beanspruchte Löschflotte ergänzen.

Positive Aviation entwickelt unter der Bezeichnung FF72 zwei Varianten. Eine amphibische Ausführung soll im Tiefflug Wasser aus Seen oder dem Meer aufnehmen können. Eine zweite Version ist für Löschmittel vorgesehen, das am Boden in Tanks gefüllt wird. Nach Angaben des Unternehmens entsteht in Toulouse-Blagnac derzeit ein Demonstrator; der reguläre Einsatz wird für 2029 angestrebt.

Der Rückgriff auf vorhandene Flugzeugzellen kann Entwicklungszeit sparen, beseitigt aber die technischen Hürden nicht. Tanks und Abwurfsysteme müssen eingebaut, Teile der Zelle verstärkt und die Steuerung angepasst werden. Bei der amphibischen Variante kommen die Belastungen während der Wasseraufnahme hinzu. Vor dem Einsatz stehen deshalb Flugversuche, Abwurftests und ein luftrechtliches Zulassungsverfahren.

Parallel arbeitet Kepplair Evolution in Toulouse an einem ähnlichen Konzept. Der Prototyp des Unternehmens basiert auf einem Frachtflugzeug vom Typ ATR 72 und soll zu einer vielseitig einsetzbaren Löschmaschine umgebaut werden. Kepplair stellt eine mögliche Zulassung und erste Auslieferungen für 2027 in Aussicht. Das Projekt erhält Unterstützung aus dem staatlichen Investitionsprogramm France 2030 und von der Region Okzitanien. Die französische Zivilschutzbehörde habe Interesse bekundet, teilte das Unternehmen mit.

Frankreichs Bedarf an zusätzlichen Flugzeugen ist erheblich. Die Zivilschutzflotte verfügt nach Angaben des Innenministeriums über zwölf Canadair und acht Dash-Maschinen zur Brandbekämpfung sowie drei Beechcraft für Aufklärung und Transport. Ein Canadair kann 6.000 Liter Wasser innerhalb von zwölf Sekunden aufnehmen. Die vorhandenen Flugzeuge werden jedoch seit Jahren intensiv genutzt, während Neubeschaffungen lange Vorlaufzeiten haben.

Die ATR-Projekte sind daher vorerst kein unmittelbarer Ersatz für die gelben Amphibienflugzeuge, die an Küsten, Seen und Stauseen Wasser aufnehmen. Ihre Entwickler setzen auf zusätzliche Maschinen, die außerhalb der Waldbrandsaison auch Fracht transportieren oder für medizinische Evakuierungen verwendet werden könnten. Ob eine solche Mehrfachnutzung wirtschaftlich und organisatorisch trägt, lässt sich erst nach der Zulassung beurteilen.

Der Zeitdruck wächst: Nach Angaben des Innenministeriums waren in Frankreich bis Ende Juli 2026 bereits 119.000 Hektar von Vegetationsbränden betroffen. Die Vorhaben in Toulouse sollen vorhandene Flugzeugzellen für eine raschere Verstärkung des Zivilschutzes nutzbar machen.

Quellen

  • Franceinfo
  • Französisches Innenministerium
  • Direction générale de la sécurité civile et de la gestion des crises
  • Positive Aviation
  • Kepplair Evolution

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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