Kultur

Géraldine Nakache erzählt von psychischer Gewalt in einer Beziehung

In "Si tu penses bien" schildert Géraldine Nakache, wie Zuneigung in Kontrolle umschlägt. Das Drama vertraut auf leise Verschiebungen statt auf große Effekte.

Paris – 19.09.2026: Géraldine Nakache hat mit "Si tu penses bien" einen Film ins französische Kino gebracht, der seine Wucht aus der allmählichen Verengung eines Lebens gewinnt. In der aktuellen Ausgabe der Franceinfo-Sendung "Les Experts Cinéma" wird das Drama gemeinsam mit Léa Mysius' "Histoires de la nuit" besprochen. Beide Filme sind am 16. September in Frankreich angelaufen.

Nakaches Film folgt Gil, gespielt von Monia Chokri, und Jacques, verkörpert von Niels Schneider. Was als überwältigende Liebesgeschichte beginnt, verwandelt sich schrittweise in ein System der Kontrolle. Gil verliert ihre Orientierung, weil ihr Partner ihr fortwährend versichert, alles werde gut, wenn sie nur richtig denke. Gerade diese freundlich klingende Formel wird zum Mittel der Einschüchterung.

Der französische Titel verweist auf eine Form psychischer Gewalt, die von außen oft lange unbemerkt bleibt. Es geht um kontrollierendes Verhalten: um Einschränkungen, die Verdrehung der Wahrnehmung und die beharrliche Aushöhlung des eigenen Urteils. Nakache inszeniert keine sensationsheischende Chronik, sondern die Intimität einer Beziehung, in der Zärtlichkeit und Bedrohung beunruhigend nah beieinanderliegen.

Für die Regisseurin bedeutet der Film eine deutliche ästhetische Wendung. Nach Werken wie "Alles, was glänzt" und "J'irai où tu iras" wählt sie ein ernsteres Register. Erstmals führt sie Regie, ohne selbst vor der Kamera zu stehen. Das Drehbuch schrieb sie gemeinsam mit David Lambert. Der 94 Minuten lange Film wurde bei den Filmfestspielen von Cannes in der Reihe Cannes Première gezeigt.

Auch das religiös geprägte Umfeld des Paares gehört zur Erzählung, ohne zum eigentlichen Gegenstand der Anklage zu werden. Nakache richtet den Blick vielmehr auf die private Instrumentalisierung von Glauben und Gewissheit. Der Film beobachtet, wie moralische Sprache missbraucht werden kann, um Nähe in Abhängigkeit zu verwandeln.

Die zweite Neuerscheinung der Sendung, Léa Mysius' "Histoires de la nuit", schlägt einen anderen Ton an. Nach dem Roman von Laurent Mauvignier entfaltet sich in einem abgelegenen Weiler im Limousin ein düsteres Kammerspiel: Nora, Thomas und ihre Tochter Ida erwarten Gäste, während sich um das Haus eine Bedrohung zusammenzieht. Zum Ensemble gehören Hafsia Herzi, Bastien Bouillon, Benoît Magimel und Monica Bellucci.

So verschieden die beiden Filme gebaut sind, teilen sie das Interesse an der brüchigen Oberfläche des Alltags. Mysius macht aus einem Geburtstag eine lange Nacht verdrängter Geheimnisse; Nakache erkundet die stilleren Räume der Angst. "Si tu penses bien" findet dafür eine klare Filmsprache, getragen von Monia Chokris zugleich verletzlicher und widerständiger Präsenz.

Quellen

  • Franceinfo – Les Experts Cinéma
  • Festival de Cannes – Si tu penses bien
  • Festival de Cannes – Histoires de la nuit
  • Le Monde – Kritik zu Si tu penses bien

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

Ende des Artikels