Paris – 06.10.2026: Der Präsident der Académie Goncourt, Philippe Claudel, will die Regeln des wichtigsten französischen Literaturpreises ändern, um den Einsatz künstlicher Intelligenz beim Verfassen eingereichter Romane ausdrücklich auszuschließen. Anlass ist die Kontroverse um den Roman "C'était ça ou mourir" von Thélyson Orélien, den die Akademie am 25. September aus ihrer ersten Auswahl gestrichen hatte.
Claudel sagte am Dienstag gegenüber Radio France, alle acht Werke der nun veröffentlichten zweiten Auswahl seien mit einem Erkennungssystem auf mögliche maschinelle Textproduktion geprüft worden. Die Tests seien als zusätzliche Kontrolle zu verstehen, nicht als Ersatz für die literarische Beurteilung durch die zehn Mitglieder der Akademie. Solche technischen Verfahren können Auffälligkeiten anzeigen, gelten jedoch nicht als abschließender Beleg dafür, ob ein Text von einem Menschen oder einem Sprachmodell verfasst wurde.
Oréliens Roman gehörte zunächst zu den 16 Titeln der ersten Auswahl. Die Académie Goncourt begründete die spätere Streichung mit bekannt gewordenen Plagiatsvorwürfen gegen den Autor sowie mit übereinstimmenden Analysen von Forschern und Journalisten. Diese hätten den Verdacht gestützt, dass erhebliche Teile des Buches mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt worden sein könnten. Der Verlag Grasset hatte entsprechende Vorwürfe zurückgewiesen.
Mit der geplanten Änderung würde die Akademie eine bislang unausgesprochene Voraussetzung in eine formale Teilnahmebedingung überführen: Ein eingereichter Roman soll als eigenständige schöpferische Leistung eines Menschen erkennbar sein. Offen ist allerdings, welche Formen technischer Unterstützung darunter fallen würden. Zwischen Rechtschreibprüfung, stilistischer Überarbeitung und der automatischen Erzeugung ganzer Passagen liegen Abstufungen, die sich in einer Satzung genau fassen lassen müssen.
Die Regeln der literarischen Gesellschaft wurden zuletzt am 6. Mai 2025 geändert. Sie verleihen der Institution eine eigene Rechtspersönlichkeit und unterscheiden sie damit von vielen Literaturjurys, deren Verfahren weniger formalisiert sind. Eine ausdrückliche Bestimmung zum Gebrauch generativer Systeme könnte deshalb über den einzelnen Wettbewerb hinaus als Orientierung für Verlage, Jurys und Autoren dienen.
Der laufende Auswahlprozess setzt der Debatte einen engen Zeitrahmen. Die zweite Liste mit acht Romanen wurde am 6. Oktober veröffentlicht; am 27. Oktober soll die Akademie die vier Finalisten benennen. Die Verleihung des Prix Goncourt 2026 ist für den 3. November vorgesehen. Mit dem Preis ist zwar nur ein symbolisches Preisgeld verbunden, doch die Auszeichnung verschafft dem Siegerroman regelmäßig große Aufmerksamkeit und hohe Verkaufszahlen.
Claudel hatte bereits im Sommer vor der Ausbreitung generativer Systeme im Literaturbetrieb gewarnt. Nun will er daraus eine verbindliche Regel ableiten: Zum Prix Goncourt zugelassene Romane sollen nicht mithilfe künstlicher Intelligenz verfasst worden sein.
Quellen
- Franceinfo
- Académie Goncourt
- Livres Hebdo
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).