Athen – 26.07.2026: Christopher Nolans "Odyssee" hat in Griechenland eine alte Geschichte in ein gegenwärtiges Kinogespräch verwandelt. Seit dem internationalen Kinostart am 17. Juli verfolgen viele Zuschauer mit gespannter Neugier, wie Hollywood Homers Heimkehrer Odysseus auf die Leinwand bringt. Der Film mit Matt Damon in der Hauptrolle trifft auf ein Publikum, für das das Epos weit mehr als literarischer Unterrichtsstoff ist.
Homers Dichtung gehört in Griechenland zum kulturellen Alltag. Sie wird in Schulen gelesen, auf Bühnen erzählt und als gemeinsamer Erinnerungsschatz verstanden. Entsprechend aufmerksam wurde die Großproduktion angekündigt und begleitet. Die Neugier gilt weniger einer Wiederholung des Bekannten als der Frage, welche Bilder, Stimmen und dramatischen Akzente Nolan einer Erzählung abgewinnt, die seit fast drei Jahrtausenden immer wieder neu ausgelegt wird.
Vor dem Start hatte sich allerdings eine Debatte über die Besetzung entzündet. Kritische Stimmen beanstandeten, dass in der internationalen Starbesetzung kaum griechische Darsteller zu sehen seien. Auch die Rollenvergabe an Schauspielerinnen und Schauspieler unterschiedlicher Herkunft löste in Teilen der Öffentlichkeit kulturpolitische Einwände aus. Die kleine nationalkonservative Partei Niki kritisierte zudem die staatliche Förderung der Dreharbeiten im Land.
Der Streit ist nicht verschwunden, scheint die Reaktion des Kinopublikums jedoch weniger stark zu prägen als zunächst erwartet. Pädagogen und Theaterschaffende verwiesen bereits vor dem Start darauf, dass Homers Werk seine Lebendigkeit gerade den vielen Übersetzungen, Aufführungen und Neuinterpretationen verdanke. Eine Verfilmung müsse keine archäologische Rekonstruktion liefern. Sie könne eine heutige Lesart anbieten und damit selbstverständlich auch Widerspruch hervorrufen.
Nolans Produktion hat Griechenland zugleich sichtbar in ihre Bildwelt aufgenommen. Gedreht wurde unter anderem auf dem Peloponnes, nahe Pylos, an der Bucht von Voidokilia und in Methoni. Die Schauplätze verbinden die kommerzielle Wucht eines globalen Studios mit Landschaften, die für viele Griechen keine austauschbare Kulisse, sondern Heimat und historische Erfahrung sind. Das erklärt, weshalb der Film gleichermaßen Stolz, Skepsis und einen gewissen Schutzinstinkt weckt.
Auch wirtschaftlich fällt der Auftakt auf. International erzielte "Odyssee" am ersten Wochenende hohe Einnahmen; IMAX meldete für seine Kinos einen weltweiten Rekordstart. In Griechenland entwickelte sich der Film Berichten zufolge bereits in den ersten Tagen zum Publikumserfolg.
Das griechische Publikum begegnet damit einem fremden Blick auf ein vertrautes Erbe. Die produktive Reibung gehört zum Reiz dieser Begegnung: Homers Geschichte von Seefahrt, Verlust, List und Heimkehr erscheint mit den Mitteln des globalen Großkinos erneut auf jener Leinwand, vor der nun auch die Erben ihres Ursprungs Platz nehmen.
Quellen
- Franceinfo
- Associated Press
- IMAX Corporation
- Le Monde
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).