Heidenau – 02.10.2026: Im sächsischen Heidenau dürfen künftig keine neuen Stolpersteine auf öffentlichen Straßen und Gehwegen verlegt werden. Der Stadtrat fasste den Beschluss am 24. September in geheimer Abstimmung mit 13 Stimmen bei sechs Gegenstimmen und einer Enthaltung. Die fünf bereits vorhandenen Stolpersteine bleiben erhalten. Verlegungen auf privaten Grundstücken sind von der Entscheidung nicht betroffen.
Eingebracht worden war der Antrag von Stadträten der Alternative für Deutschland, der Christlich Demokratischen Union und der Bürgerinitiative Oberelbe. Die Antragsteller begründeten ihren Vorstoß damit, dass Angehörige, Initiativen und Bürger in den Boden eingelassene Namen teils als unangemessene Form des Erinnerns empfänden, weil Passanten darüber hinweggehen. Anstelle weiterer Stolpersteine soll eine gemeinsame Gedenkfläche für Opfer von Krieg, Terror, Diktaturen und Vertreibung entstehen, wobei der Opfer des Nationalsozialismus besonders gedacht werden soll.
Als möglicher Standort wird der Nordfriedhof genannt. Ob die Gedenkfläche dort eingerichtet werden kann, ist allerdings offen. Nach Angaben von Bürgermeisterin Conny Oertel gehört der Friedhof nicht der Stadt; daher wäre die Zustimmung der Kirche erforderlich. Die Stadtverwaltung hatte empfohlen, den Antrag abzulehnen. Sie argumentierte, das Gedenken an die nationalsozialistische Verfolgung müsse im Stadtbild sichtbar bleiben und einen Bezug zu den früheren Lebensorten der Opfer bewahren.
Die bislang fünf Stolpersteine in Heidenau erinnern an den früheren Bürgermeister Paul Gröger und an Angehörige der jüdischen Kaufmannsfamilie Reiner. Das Alternative Kultur- und Bildungszentrum Sächsische Schweiz hatte zwölf weitere Steine für sieben jüdische Familien und Einzelpersonen beantragt. Der Verein prüft nun nach eigenen Angaben andere Formen des Gedenkens sowie mögliche rechtliche Schritte gegen den Beschluss.
Auch über Heidenau hinaus löste die Entscheidung Widerspruch aus. Bundesbildungsministerin Karin Prien bezeichnete sie als Skandal. Der sächsische CDU-Generalsekretär Tom Unger distanzierte sich vom grundsätzlichen Ausschluss dieser Gedenkform. Die CDU Sachsen unterstütze Stolpersteine als Erinnerung an die Verbrechen an jüdischen Nachbarinnen und Nachbarn, erklärte er.
Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Die kleinen Messingtafeln werden gewöhnlich vor dem letzten frei gewählten Wohn- oder Wirkungsort von Menschen verlegt, die während der nationalsozialistischen Herrschaft verfolgt, vertrieben oder ermordet wurden. Namen, Geburtsdaten und Schicksale holen die Opfer aus der Anonymität zurück und verankern ihre Geschichte im Alltag heutiger Städte. Nach Angaben der zuständigen Stiftung wurden inzwischen mehr als 128.000 Stolpersteine in 31 europäischen Ländern verlegt. In Heidenau ist dieses dezentrale Gedenken nun auf private Flächen beschränkt.
Quellen
- Franceinfo
- Stadt Heidenau
- Tagesschau
- MDR Sachsen
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).