Paris – 13.08.2026: Mit einem Apfelbaum auf dem Buchumschlag, einem griffigen Slogan und dem Versprechen, die soziale Spaltung Frankreichs zu überwinden, zog Jacques Chirac 1995 in den Präsidentschaftswahlkampf. Franceinfo erinnert an diesem Donnerstag in seiner historischen Sommerreihe an die Kampagne. Der Historiker Fabrice d'Almeida zeichnet nach, wie Chirac politische Programmatik mit einer bewusst volkstümlichen Inszenierung verband.
Chirac war damals Bürgermeister von Paris und Vorsitzender des neogaullistischen Rassemblement pour la République. Unter dem Titel "La France pour tous", auf Deutsch "Frankreich für alle", veröffentlichte er ein programmatisches Buch, dessen Umschlag einen Apfelbaum zeigte. Das Motiv entwickelte bald ein Eigenleben. Bei einem Fernsehauftritt am 9. Januar 1995 sagte Chirac, er esse gern Äpfel. Die Frucht wurde daraufhin zu einem einprägsamen Zeichen seiner Kandidatur und verlieh seinem Auftritt eine persönliche, leicht zugängliche Note.
Hinter der freundlichen Bildsprache stand eine Diagnose mit erheblicher politischer Sprengkraft. Chirac erklärte die "soziale Spaltung" zum Leitbegriff seines Wahlkampfs. Er beschrieb damit die wachsende Kluft zwischen wirtschaftlich abgesicherten Bevölkerungsgruppen und jenen Menschen, die von Arbeitslosigkeit, Armut oder gesellschaftlicher Ausgrenzung betroffen waren. Diese Schwerpunktsetzung half ihm zugleich, sich von Édouard Balladur abzugrenzen. Der damalige Premierminister galt lange als Favorit des konservativen Lagers und war Chiracs wichtigster innerbürgerlicher Konkurrent.
Im ersten Wahlgang am 23. April 1995 erhielt Chirac 20,84 Prozent der Stimmen. Balladur schied mit 18,58 Prozent aus. An der Spitze lag zunächst der Sozialist Lionel Jospin mit 23,30 Prozent. In der Stichwahl vom 7. Mai setzte sich Chirac durch: Nach dem amtlichen Ergebnis des Verfassungsrates entfielen 15.763.027 Stimmen auf ihn, Jospin erhielt 14.180.644 Stimmen. Chirac wurde damit zum fünften Präsidenten der Fünften Republik.
Sein Slogan griff den institutionellen Anspruch des Präsidentenamtes auf, nach einem polarisierten Wahlkampf für die gesamte Nation zu sprechen. Am Wahlabend kündigte Chirac an, Präsident aller Franzosen sein zu wollen. Als vorrangige Aufgaben nannte er den Kampf gegen Arbeitslosigkeit und Ausgrenzung. Das Versprechen nationaler Einheit erhielt so einen konkreten sozialpolitischen Bezug.
Die von Franceinfo aufgegriffene Kampagne gehört auch deshalb zum politischen Gedächtnis Frankreichs, weil sie Symbol und Programm eng miteinander verknüpfte. Das Apfelmotiv überdauerte als populäre Erinnerung; der Begriff der sozialen Spaltung bezeichnete den materiellen Kern der Kandidatur. Am 17. Mai 1995 trat Chirac sein Amt im Élysée-Palast an und erklärte, Frankreich solle geeinter und gleicher in das neue Jahrtausend gehen.
Quellen
- Franceinfo, L'info de l'histoire
- Élysée-Palast, Proklamation der Wahlergebnisse vom 7. Mai 1995
- INA, Archivbeitrag zu Jacques Chiracs Apfelmotiv
- Élysée-Palast, Amtseinsetzung Jacques Chiracs
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