Ach, guck mal einer an! Frankreichs Schulen sind marode! Decken fallen herunter, Dächer sind undicht, Toiletten unbenutzbar, Wände bröckeln. Und plötzlich herrscht in der Politik helle Aufregung! Donnerwetter! Wer hätte denn damit rechnen können, dass Gebäude irgendwann auseinanderfallen, wenn man sie jahrelang vernachlässigt?!
WAS FÜR EINE SENSATION!
Da sitzen also seit Jahren Schülerinnen und Schüler in Klassenzimmern, in denen der Putz von der Decke rieselt, während die Verantwortlichen offenbar darauf warten, dass sich das Problem durch spontane Selbstheilung erledigt.
Vielleicht dachten die ja, so eine Schule sei wie ein guter französischer Käse: Je älter und schimmeliger, desto wertvoller!
Und jetzt? Jetzt präsentiert Bildungsminister Édouard Geffray stolz eine Liste mit 200 Gymnasien, die dringend Aufmerksamkeit benötigen.
200 SCHULEN!
Herzlichen Glückwunsch! Frankreich hat die bahnbrechende Erkenntnis gewonnen, dass man kaputte Gebäude reparieren sollte!
Dafür brauchte es offenbar erst über 100.000 Rückmeldungen, Schülerproteste und eine digitale Beschwerdeplattform. Denn auf die völlig verrückte Idee, regelmäßig nach dem Zustand öffentlicher Schulgebäude zu schauen, kommt natürlich niemand von allein!
In Bastia fallen Deckenteile auf eine Schülerin. In Montpellier beschädigen Unwetter die Decken. In Nîmes steht die Sicherheit eines Verbindungsgangs infrage.
Aber hey, Hauptsache, die Verwaltung funktioniert!
Und dann kommt der finanzpolitische Höhepunkt dieser absurden Vorstellung: VIER MILLIARDEN EURO!
Klingt fantastisch, oder?
Nur blöd, dass ein erheblicher Teil dieses Geldes gar nicht verschenkt, sondern verliehen werden soll. Die Regionen dürfen Kredite aufnehmen, Zinsen zahlen und anschließend erklären, woher sie das Geld für die Rückzahlung nehmen.
Das ist ungefähr so, als würde der Vermieter seinem Mieter sagen: „Ihre Wohnung schimmelt? Kein Problem! Ich vermittle Ihnen einen günstigen Kredit für die Sanierung!“
Und während Paris seine Liste feiert, regen sich die Regionen auf. Einige Schulen seien längst renoviert, andere dringend sanierungsbedürftige Einrichtungen fehlten völlig.
Na wunderbar! Jetzt streitet man also nicht nur darüber, wer die Schäden bezahlt, sondern auch darüber, welche Schule überhaupt kaputt genug ist, um offiziell als kaputt zu gelten!
WILLKOMMEN IM BÜROKRATISCHEN IRRENHAUS!
Und wisst ihr, was mich daran wirklich auf die Palme bringt?
Dass ausgerechnet die Jugendlichen erst protestieren müssen, damit Erwachsene ihre verdammte Verantwortung wahrnehmen!
Für Prestigeprojekte, politische Inszenierungen und wohlklingende Ankündigungen findet sich immer eine Bühne. Aber wenn es darum geht, dass Kinder sicher lernen können, beginnt plötzlich das große Zuständigkeits-Pingpong.
Der Staat zeigt auf die Regionen. Die Regionen zeigen auf den Staat. Und die Schüler? Die dürfen hoffen, dass ihnen morgen nicht die Decke auf den Kopf fällt!
Eine Schule ist kein Luxusresort! Ein dichtes Dach, funktionierende Toiletten und sichere Klassenzimmer sind keine extravaganten Sonderwünsche!
Das ist das absolute Minimum eines funktionierenden Gemeinwesens!
Also hört endlich auf, Listen zu präsentieren, Verantwortung herumzuschieben und euch gegenseitig die Schuld zuzuschustern.
REPARIERT DIE VERDAMMTEN SCHULEN!
Und zwar bevor aus einer Unterrichtsstunde ein Fall für die Feuerwehr wird!
Christine Macha