Kultur

Julia Kerninon erzählt von Gewalt und weiblicher Solidarität

In "Die letzte der Wilberforce" erzählt Julia Kerninon von einer zerbrochenen Jugendfreundschaft, männlicher Gewalt und einem Bündnis unter Frauen.

Paris – 06.09.2026: Julia Kerninon hat ihren neuen Roman "Die letzte der Wilberforce" als Geschichte über das Patriarchat und dessen zerstörerische Macht beschrieben. Im Gespräch mit Franceinfo sagte die französische Schriftstellerin, sie liebe Wörter "bis zum Rausch". Diese Sprachlust trifft in dem bei L'Iconoclaste erschienenen Buch auf ein düsteres Geflecht aus Erinnerung, Schuld und familiärer Loyalität.

Der Roman führt auf eine Halbinsel, zum Hotel der Familie Wilberforce. Dort verbrachten Waldo und sein Bruder Adam als Kinder die Sommer mit Annabel und Olivia Wilberforce. Die vier nannten sich kosmische Zwillinge: ein hübscher, beinahe übermütiger Name für eine Freundschaft, die sich gegen jede Erwachsenenordnung gewappnet glaubte. Mit der Pubertät gerät diese Gemeinschaft aus dem Takt. Nähe schlägt in Begehren und Eifersucht um, alte Bindungen werden brüchig.

Zehn Jahre später ruft ein Fest die Beteiligten erneut zusammen. Die Nacht wird zum Schauplatz von Enthüllungen. Was geschehen ist, was verschwiegen wurde und wer Verantwortung trägt, drängt nach außen. Der Verlag bezeichnet das 279 Seiten lange Buch als psychologischen Thriller. Kerninon nutzt dessen Spannung jedoch nicht als bloßen Motor der Handlung. Sie macht daraus eine Form, in der das Verdrängte mit wachsendem Druck ans Licht kommt.

Die Handlung verbindet zwei Familien und verfolgt die Folgen einer Gewalt, die lange fortwirkt. Nach Darstellung der Autorin und ihres Verlags entsteht dabei ein Bündnis der Frauen. Annabel, Olivia und weitere Figuren widersetzen sich einer Ordnung, die Rivalität unter ihnen begünstigt und männliche Übergriffe zur privaten Angelegenheit erklärt. Der Roman verhandelt diese Solidarität nicht als Parole, sondern in Beziehungen, deren Loyalitäten sich erst bewähren müssen.

Die Erzählung ist vielstimmig angelegt, beginnt aber bewusst mit einem männlichen Blick. Dieses Verfahren verschiebt die Gewissheiten des Publikums: Wer zunächst als Beobachter erscheint, kann in die Gewalt verstrickt sein; wer am Rand zu stehen scheint, besitzt eine eigene Geschichte. Mit jedem Perspektivwechsel verändert sich das Bild der Vergangenheit. Kerninon kann so zeigen, wie Macht durch Schweigen, falsche Rücksicht und eingeübtes Wegsehen geschützt wird.

"Die letzte der Wilberforce" ist Kerninons siebter Roman und erschien am 20. August 2026 zur literarischen Herbstsaison. Der Titel verbindet eine sommerliche Landschaft aus Dünen und Buchten mit einer Tragödie, die von der Ferienidylle Besitz ergreift. Kerninons Überzeugung, allein die Fiktion könne der Welt Kohärenz verleihen, erhält darin eine harte Probe. Die Ordnung ihres Romans verspricht keine einfache Versöhnung; sie gibt vielmehr jenen eine Sprache, deren Erfahrungen zuvor verschwiegen wurden.

Quellen

  • Franceinfo, L'invité culture
  • Éditions de L'Iconoclaste
  • Librairie Mollat

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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