Amiens – 10.09.2026: Die Konzertstätte La Lune des Pirates in Amiens hat einen für den 19. September geplanten Elektronikabend abgesagt, bei dem die Discjockey und Aktivistin Barbara Butch auftreten sollte. Die Veranstalter erklärten, die notwendigen Bedingungen für die Sicherheit und einen geordneten Empfang des Publikums seien nicht mehr gegeben. Neben Barbara Butch waren zwei weitere Künstler für den Abend angekündigt.
Der örtliche Ableger des Verbands France Palestine Solidarité hatte zuvor zum Boykott aufgerufen und die Absetzung der Künstlerin verlangt. Nach der Absage erklärte die Organisation in den sozialen Netzwerken, ihr Aufruf habe sein Ziel erreicht, und wertete die Entscheidung als Erfolg. Nach Angaben französischer Medien wurde die Initiative auch aus dem Umfeld von La France insoumise in Amiens unterstützt.
Hinter der Kontroverse stehen politische Positionen, die Barbara Butch zugeschrieben werden. Die Aktivisten werfen ihr vor, eine parlamentarische Initiative der Abgeordneten Caroline Yadan gegen neue Formen des Antisemitismus unterstützt zu haben. Zudem verweisen sie kritisch auf einen früheren Auftritt der Künstlerin in Tel Aviv. Die Konzertstätte nannte jedoch weder eine konkrete Drohung noch einen einzelnen Sicherheitsvorfall oder eine behördliche Anordnung als Grund für ihre Entscheidung.
Die Auseinandersetzung erinnert an einen Vorfall in Grenoble am 18. Juli 2026. Dort wurde ein Auftritt von Barbara Butch beim städtischen Festival Cabaret Frappé nach einer Protestaktion propalästinensischer Aktivisten abgebrochen. Die Stadt Grenoble erstattete anschließend Anzeige. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen des Verdachts ein, die Ausübung von Freiheiten gemeinschaftlich behindert zu haben. Mit der Untersuchung wurde der örtliche Kriminalpolizeidienst beauftragt.
In Amiens kam es dagegen nicht zu einer Unterbrechung vor Publikum, weil die Veranstalter den gesamten Abend bereits vor dem vorgesehenen Termin aus dem Programm nahmen. Ihre Begründung verweist auf ein verbreitetes Dilemma im Kulturbetrieb: Boykottaufrufe gehören grundsätzlich zur politischen Auseinandersetzung. Zugleich müssen Betreiber beurteilen, ob Einlass, Schutz des Publikums und Ablauf einer Veranstaltung unter den gegebenen Umständen verlässlich organisiert werden können. Eine Absage kann so ohne formelles Verbot oder behördliche Verfügung zustande kommen.
Die Debatte berührt außerdem die schwierige Abgrenzung zwischen Kritik an der israelischen Politik, Solidarität mit den Palästinensern und dem Schutz jüdischer Künstlerinnen und Künstler vor Einschüchterung. Xavier Bertrand, Präsident der Region Hauts-de-France, stellte sich nach der Absage öffentlich hinter Barbara Butch. La Lune des Pirates hat den für den 19. September angekündigten Elektronikabend vollständig aus seinem Programm gestrichen.
Quellen
- Franceinfo
- RTL
- Le Monde
- TF1 Info
- Stadt Grenoble
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).