Zürich – 21.08.2026: Die angekündigte erneute Kandidatur Gianni Infantinos für das Präsidentenamt hat die Debatte über die Machtverhältnisse im Fußball-Weltverband neu entfacht. Beim Fifa-Kongress am 1. Mai in Vancouver erklärte der 56-Jährige, 2027 wieder antreten zu wollen. Gewählt werden soll am 18. März 2027 in Rabat. Doch die Kritik richtet sich zunehmend über den Amtsinhaber hinaus: Forscher und internationale Funktionäre verlangen grundlegende Reformen der Fifa-Strukturen.
Im Kern geht es um die Abhängigkeiten zwischen der Verbandsspitze und den 211 Mitgliedsverbänden. Der Kongress wählt den Präsidenten nach dem Prinzip, dass jeder nationale Verband eine Stimme besitzt. Zugleich profitieren diese Verbände von Entwicklungsprogrammen, Wettbewerben und der Verteilung internationaler Fußballerlöse. Wer über diese Ressourcen verfügt, kann damit erheblichen politischen Einfluss gewinnen. Eine organisierte Gegenmacht zur Führung lässt sich unter solchen Bedingungen nur schwer aufbauen.
Formell verteilt die Fifa ihre Verantwortung auf mehrere Organe. Dem Fifa-Rat gehören 37 Mitglieder an: der Präsident, acht Vizepräsidenten und 28 weitere Vertreter der Kontinentalverbände. Zwischen den Kongressen entscheidet dieses Gremium über die wichtigsten Geschäfte. Nach dem Korruptionsskandal von 2015 sollten Reformen die strategische Leitung, das Generalsekretariat und die Kontrollinstanzen deutlicher voneinander trennen. Kritiker bezweifeln jedoch, dass die institutionellen Gegengewichte in der Praxis ausreichend unabhängig sind.
Besonders umstritten ist die politische Wirkung der Entwicklungsförderung. Nach Angaben der Fifa flossen in den zehn Jahren seit Infantinos erster Wahl 2016 rund fünf Milliarden Dollar in entsprechende Programme. Für den Zyklus von 2027 bis 2031 sind weitere 2,7 Milliarden Dollar vorgesehen. Die Mittel können Stadien, Trainingsplätze und Verbandsarbeit finanzieren. Weil viele nationale Organisationen auf solche Zahlungen angewiesen sind, verstärken sie zugleich das Gewicht der Zentrale gegenüber den Empfängern.
Anfang August wurden Spannungen innerhalb der Führung sichtbar. Nach dem Rückzug des Projekts Fifa Forward Enterprise kamen Infantino, Generalsekretär Mattias Grafström und Mitglieder der Geschäftsleitung in Rabat zusammen. Anschließend bekannten sie sich zu besseren Abläufen bei Kommunikation und Entscheidungsfindung. Drei Tage später erklärte die Fifa, sie werde keine Verfahren hinnehmen, die ihren Statuten und demokratischen Regeln widersprächen, und wies Vorwürfe gegen den Präsidenten zurück.
Der Verband verweist auf neu geordnete Kommissionen, die stärkere Beteiligung der Mitgliedsverbände und eine Mindestvertretung von Frauen in den Konföderationen. Im Juni vereinbarte er mit der Spielergewerkschaft Fifpro außerdem eine dauerhafte Plattform für sozialen Dialog und Spielervertretung. Ob diese Reformen wirksame Kontrolle schaffen, wird sich spätestens beim 77. Fifa-Kongress am 18. März 2027 in Rabat erweisen.
Quellen
- Franceinfo
- Fifa: Kandidatur Gianni Infantinos beim 76. Fifa-Kongress
- Fifa: Erklärung zur Präsidentenwahl
- Fifa: Führungstreffen in Rabat
- Fifa: Fifa-Rat und Governance-Struktur
- Fifa und Fifpro: Vereinbarung zur Spielervertretung
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).