Paris – 09.10.2026: Für viele junge Menschen beginnt die Suche nach dem ersten festen Arbeitsplatz mit einer neuen Unsicherheit. Eine am Donnerstag veröffentlichte Analyse der Banque de France und von Forschenden der HEC Paris dokumentiert, dass unbefristete Neueinstellungen von 21- bis 29-Jährigen in stark von generativer künstlicher Intelligenz berührten Berufen seit Ende 2022 erheblich stärker gesunken sind als in weniger betroffenen Tätigkeiten.
Im März 2026 lagen die Einstellungen mit unbefristetem Vertrag in der am stärksten exponierten Berufsgruppe rund 28 Prozent unter dem Niveau vom November 2022, als ChatGPT öffentlich eingeführt wurde. In der am wenigsten exponierten Gruppe betrug der Rückgang etwa acht Prozent. Zwischen beiden Entwicklungen liegt somit eine Differenz von rund 20 Prozentpunkten.
Die Untersuchung stützt sich auf administrative Daten zu Einstellungen und Vertragsenden von Januar 2019 bis März 2026. Erfasst wurde der private Sektor in Frankreich, ausgenommen Landwirtschaft, Leiharbeit und Privathaushalte. Die Forschenden ordneten die Berufe danach, in welchem Umfang generative KI einzelne Aufgaben übernehmen oder Beschäftigte unterstützen kann. Der verwendete Index beschreibt technische Möglichkeiten, nicht die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Beruf verschwindet.
Besonders ausgeprägt ist die Entwicklung bei Tätigkeiten, in denen Informationen erstellt, verarbeitet oder aufbereitet werden. Zur Gruppe mit der höchsten KI-Exposition zählen der Studie zufolge unter anderem Fachkräfte für Textverarbeitung, Übersetzer, Journalisten, Bankbeschäftigte sowie Fachleute für Wirtschafts-, Finanz- und Marktanalysen. Berufe, die körperliche Präsenz oder unmittelbare persönliche Betreuung erfordern, gelten als deutlich weniger exponiert.
Auch die Zahl der Vertragsenden ging unter jungen Beschäftigten zurück, allerdings schwächer als die Zahl der Neueinstellungen. Nach Interpretation der Forschenden deutet dies eher auf einen verlangsamten Personalwechsel als auf eine bereits erkennbare Entlassungswelle hin. Unternehmen, die Anfang 2026 eine intensive Nutzung künstlicher Intelligenz angaben, beschäftigten insgesamt nicht nachweisbar weniger Menschen als andere Firmen. Die Veränderung betrifft bislang vor allem den Zugang zu Einstiegspositionen.
Damit könnte sich ein strukturelles Problem verschärfen: Gerade einfache Aufgaben dienen Berufseinsteigern häufig dazu, betriebliche Abläufe kennenzulernen, Fachwissen praktisch anzuwenden und sich für anspruchsvollere Tätigkeiten zu qualifizieren. Werden solche Aufgaben automatisiert oder von erfahrenen Beschäftigten mithilfe von KI schneller erledigt, sinkt für Unternehmen möglicherweise der Anreiz, zusätzlich Nachwuchskräfte einzustellen. Einen solchen Mechanismus kann die Analyse allerdings nicht zweifelsfrei nachweisen.
Die Autoren warnen daher vor vorschnellen Schlüssen. Straffere Finanzierungsbedingungen, die Korrektur im Technologiesektor nach der Corona-Pandemie und die Ausweitung der Heimarbeit könnten die Einstellungschancen in denselben Berufsfeldern ebenfalls beeinträchtigt haben. Die Daten belegen einen zeitlichen Zusammenhang, aber keine eindeutige Ursache. Belastbar ist vorerst der Befund, dass der Rückgang unbefristeter Neueinstellungen junge Menschen in besonders KI-exponierten Berufen überdurchschnittlich stark trifft.
Quellen
- Franceinfo: Künstliche Intelligenz und Beschäftigung junger Menschen
- Banque de France: Generative KI und Arbeitsmarkt junger Menschen
- HEC Paris LIFT: Arbeitspapier zur KI-Exposition von Berufen
- Generaldirektion des französischen Schatzamts: KI und Beschäftigung
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).