Kultur

künstliche Intelligenz-Verdacht überschattet Thelyson Oréliens preisgekrönten Roman

Ein Prüfprogramm stuft Auszüge aus Thelyson Oréliens Roman mit hoher Wahrscheinlichkeit als maschinell erzeugt ein. Der Verlag Grasset weist den Vorwurf zurück und spricht von einer Hasskampagne.

Paris – 22.09.2026: Der kanadisch-haitianische Schriftsteller Thelyson Orélien sieht sich nach dem Erfolg seines Romans "C'était ça ou mourir" mit dem Vorwurf konfrontiert, umfangreiche Passagen mithilfe künstlicher Intelligenz verfasst zu haben. Nach einem Bericht von France Inter stufte ein Erkennungsprogramm untersuchte Auszüge mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 bis 100 Prozent als maschinell erzeugt ein. Ein belastbarer Beweis für die Entstehung des Textes ist ein solcher Befund jedoch nicht.

Der Verlag Grasset wies die Anschuldigungen laut Franceinfo entschieden zurück und sprach von einer Hasskampagne gegen seinen Autor. Orélien, der aus Haiti stammt und in Kanada lebt, veröffentlichte mit "C'était ça ou mourir" seinen ersten Roman. Das Buch erzählt von der Flucht eines haitianischen Lehrers, von Gewalt und Exil sowie von seinem Weg nach Kanada.

Die Vorwürfe erreichen den Autor unmittelbar nach einer Reihe literarischer Erfolge. Am 21. September erhielt Orélien für das Buch den Prix du Roman Fnac 2026. Zuvor war der Titel bereits in erste Auswahllisten für den Prix Goncourt, den Prix Renaudot, den Prix Femina und den Prix Médicis aufgenommen worden. Die Kontroverse betrifft damit eines der sichtbarsten Bücher des französischen Literaturherbstes.

Programme zur Erkennung künstlich erzeugter Texte können keine forensische Gewissheit über die Entstehung eines Manuskripts liefern. Das eingesetzte System Pangram bewertet sprachliche Muster und errechnet daraus eine Wahrscheinlichkeit. Auch nach Angaben des Unternehmens sind trotz niedriger ausgewiesener Fehlerquoten falsche positive Ergebnisse möglich. Eine hohe Einstufung ersetzt weder die Prüfung von Arbeitsfassungen noch eine Rekonstruktion des Schreibprozesses.

Unklar bleibt zudem, worauf sich ein möglicher Einsatz künstlicher Intelligenz bezogen haben könnte. Die Spannweite reicht von vollständig generierten Passagen über sprachliche Überarbeitung bis zu einzelnen Hilfen bei Recherche oder Übersetzung. Die bisher veröffentlichten Angaben nennen Analysewerte für Textauszüge. Unabhängig geprüfte Entwürfe, Dateien oder andere Dokumente, die den Entstehungsweg des gesamten Romans belegen, liegen öffentlich nicht vor.

Orélien hat in Interviews den autobiografischen Hintergrund seines Stoffes betont. Er wurde 1988 in Haiti geboren und lebt seit 2010 in Kanada. Der Roman erschien zunächst in Québec und wurde anschließend von Grasset in Frankreich veröffentlicht. Die Kontroverse trifft eine Branche, in der Verlage, Autoren und Preisjurys ihre Regeln für den Umgang mit generativer künstlicher Intelligenz erst entwickeln.

Der algorithmische Befund verbreitete sich in sozialen Netzwerken rasch als vermeintlich abschließendes Urteil. Bislang haben jedoch weder die veröffentlichten Analysen den Vorwurf zweifelsfrei bewiesen noch hat Grasset öffentlich Dokumente vorgelegt, die ihn vollständig ausräumen.

Quellen

  • Franceinfo
  • France Inter
  • Grasset
  • Livres Hebdo
  • Pangram

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

Ende des Artikels