Paris – 12.10.2026: Premierminister Sébastien Lecornu will am Donnerstag, 15. Oktober, in Matignon mehrere Minister zu Beratungen über einen Wiederaufbauplan für die Landwirtschaft versammeln. Bei dem Treffen soll ein Maßnahmenpaket konkretisiert werden, das die Regierung nach dem außergewöhnlich heißen und trockenen Sommer zusätzlich zu den bereits beschlossenen Nothilfen vorbereitet.
Der politische Zeitdruck ist beträchtlich. Die Regierung befürchtet, dass die Unzufriedenheit im Agrarsektor im November erneut in Proteste münden könnte. Frankreich erlebte in den vergangenen Jahren wiederholt landesweite Bauernaktionen. Besonders betroffen sind nach Regierungsangaben der Wein- und Gemüsebau sowie große Ackerbaubetriebe, deren Erträge und Liquidität unter den Wetterfolgen leiden.
Das Landwirtschaftsministerium hatte am 4. September ein Sofortprogramm im Umfang von mehr als einer Milliarde Euro angekündigt. Es verbindet Entschädigungen für außergewöhnliche Verluste mit Hilfen zur Fortsetzung der Produktion. Für den nationalen Solidaritätsfonds, der nicht oder unzureichend versicherte Schäden ausgleichen soll, wurden zunächst 520 Millionen Euro veranschlagt. Hinzu kommen Steuererleichterungen, ein regional verwalteter Fonds für Betriebsmittel und Unterstützung bei Sozialabgaben.
Die Schäden begründen den Bedarf an weiteren Maßnahmen. Nach Angaben des Ministeriums lag die Durchschnittstemperatur im Juli 2026 bei 24,9 Grad Celsius und damit über den bisherigen Höchstwerten der Sommer 2003 und 1976. In 95 Départements galten Wasserbeschränkungen, 79 davon erreichten zeitweise die strengste Stufe. Aus zahlreichen Regionen wurden Ertragseinbußen von durchschnittlich 50 Prozent gemeldet.
Der geplante Wiederaufbauplan soll über die unmittelbare Krisenhilfe hinausreichen. Landwirtschaftsministerin Annie Genevard erklärte am 8. Oktober beim Viehzuchtgipfel in Cournon-d'Auvergne, Umfang und Finanzierung seien nahezu festgelegt. Die Regierung will die Maßnahmen demnach über Änderungsanträge in das Haushaltsgesetz für 2027 aufnehmen. Ihre Verabschiedung wäre damit an die politisch schwierigen Budgetberatungen gebunden.
Die Unterscheidung zwischen Nothilfe und Wiederaufbau ist für die Betriebe wesentlich. Das bestehende Programm soll Insolvenzen verhindern und die nächste Anbausaison absichern. Der neue Teil könnte längerfristige Investitionen sowie steuerliche und regulatorische Erleichterungen finanzieren. Bereits beschlossen wurde, den Referenzzeitraum zur Berechnung von Ernteverlusten ab der Anbaukampagne 2027 von fünf auf acht Jahre zu verlängern. Wiederholte Klimaschäden sollen dadurch angemessener berücksichtigt werden.
Für Lecornu verbindet sich die Agrarkrise mit dem Streit über den Staatshaushalt. Zusätzliche Mittel müssen in den Entwurf für 2027 aufgenommen werden, während die Regierung zugleich die Ausgaben begrenzen will. Die Ministerrunde soll festlegen, welche Vorhaben bereits etatreif sind und dem Parlament als Änderungsanträge der Regierung vorgelegt werden können.
Quellen
- Franceinfo
- Französisches Landwirtschaftsministerium
- Terre-net mit AFP-Bericht
- Le Monde
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).