Paris – 04.10.2026: Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu reagiert auf die anhaltenden Proteste an Gymnasien mit fünf Arbeitsaufträgen an seine Regierung. In einem am Sonntag verbreiteten Schreiben verlangt er konkrete Antworten auf Probleme, die Schüler, Lehrkräfte und Eltern seit Beginn der Mobilisierung benennen. Erste Vorschläge sollen bis Ende Oktober 2026 vorliegen.
An erster Stelle steht die Sicherung des Unterrichts. Lecornu fordert Maßnahmen, damit ausgefallene Lehrkräfte schneller ersetzt werden und Schulen ihre Unterrichtsverpflichtungen verlässlicher erfüllen können. Fehlende Vertretungen gehören zu den zentralen Gründen der Proteste. Nach Angaben des Bildungsministeriums fielen im Schuljahr 2024/2025 an französischen Gymnasien zehn Prozent der vorgesehenen Unterrichtsstunden aus.
Ein zweites Vorhaben betrifft die Gebäude und Lernbedingungen. Die Regierung soll prüfen, wie Schulstandorte baulich verbessert und auf häufigere Hitzewellen vorbereitet werden können. Schülervertretungen und Lehrergewerkschaften verweisen auf sanierungsbedürftige Gebäude, überfüllte Klassen und unzureichende Aufenthaltsräume. Die Zuständigkeiten sind geteilt: Für Bau, Unterhalt und Ausstattung der Gymnasien sind vor allem die Regionen verantwortlich, während der Staat das Lehrpersonal finanziert. Verbesserungen erfordern deshalb Absprachen zwischen mehreren politischen Ebenen.
Lecornu verlangt zudem eine Überprüfung der Tagesabläufe. Dabei geht es um zerstückelte Stundenpläne, lange Wartezeiten zwischen Unterrichtseinheiten und die Belastung durch verdichtete Schultage. Berücksichtigt werden sollen auch die Bedingungen, unter denen sich Jugendliche außerhalb des Unterrichts in den Einrichtungen aufhalten und betreut werden. Konkrete gesetzliche oder finanzielle Zusagen enthält das Schreiben zunächst nicht.
Politisch besonders heikel ist der Arbeitsauftrag zur Hochschulplattform Parcoursup. Die zuständigen Ministerien sollen bis Ende Oktober Verbesserungen für das Bewerbungsverfahren 2027 ausarbeiten. Auswahlkriterien und Rückmeldungen der Hochschulen sollen für Bewerber und ihre Familien verständlicher werden. Die 2018 eingeführte Plattform ist für die meisten Bewerbungen um einen Studienplatz verbindlich und wird seit Jahren wegen ihrer komplexen Verfahren kritisiert.
Als fünften Punkt nennt Lecornu die Mitwirkung der Schüler. Die Gremien des Schullebens sollen rechtzeitig zusammentreten und bei Fragen zu Stundenplänen, Schulordnungen und Lebensbedingungen einbezogen werden. Der Regierungschef greift damit den Vorwurf auf, Jugendliche würden bei Entscheidungen über ihren Alltag zu selten gehört.
Die Generalsekretärin der Lehrergewerkschaft SNES-FSU wertete den Brief dennoch als Zeichen einer Regierung unter Druck. Die Gewerkschaft unterstützt seit Jahren Forderungen nach mehr Personal und Investitionen in Schulgebäude. Lecornus Schreiben verlagert die politische Debatte auf konkrete Defizite des Bildungssystems; ob dafür zusätzliche Mittel bereitgestellt werden, bleibt darin offen.
Quellen
- Franceinfo
- TF1 Info
- Le Parisien
- Le Monde
- SNES-FSU Bordeaux
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).