Paris – 15.07.2026: Die diesjährige Promotion der Légion d'honneur zum französischen Nationalfeiertag setzt auch im Kulturbereich bemerkenswerte Akzente. Zu den Ausgezeichneten zählen die Historikerin Michelle Perrot, die Schauspielerin Natalie Portman und der Dramatiker, Regisseur und Theaterleiter Wajdi Mouawad. Zusammen stehen ihre Namen für drei sehr verschiedene, weit über Frankreich hinausreichende Formen kultureller Arbeit.
Michelle Perrot hat die französische Geschichtsschreibung über Jahrzehnte verändert. Ihre Forschungen zur Arbeiterwelt, zum Gefängnis und vor allem zur Geschichte der Frauen haben die akademische Debatte geöffnet, ohne je den Blick für individuelle Lebensläufe zu verlieren. Dass nun eine Historikerin geehrt wird, deren Werk von den lange überhörten Stimmen handelt, besitzt eine stille, durchaus schöne Folgerichtigkeit.
Natalie Portman gehört als Schauspielerin, Regisseurin und Produzentin zu den international sichtbarsten Persönlichkeiten des Kinos. Die in Israel geborene und in den Vereinigten Staaten aufgewachsene Künstlerin verbindet große Hollywood-Produktionen mit künstlerisch anspruchsvolleren Projekten. Ihre Aufnahme in die Reihe der Geehrten unterstreicht zugleich die besondere Beziehung, die Frankreich zu internationalen Filmschaffenden pflegt – ein Land, das das Kino noch immer mit der Ernsthaftigkeit einer öffentlichen Angelegenheit betrachtet.
Wajdi Mouawad, Autor, Schauspieler und Regisseur mit libanesisch-kanadischer Biografie, leitet das Pariser Théâtre national de la Colline. Seine Stücke kreisen um Kriegserfahrungen, Erinnerung, Exil und die schwierige Kunst, eine Sprache für Verletzungen zu finden. Seit Jahren prägt er die französische Theaterlandschaft mit Arbeiten, die private Geschichten und politische Erschütterungen ineinander verschränken. Seine Leitung des Hauses wurde 2024 verlängert.
Die Légion d'honneur, 1802 von Napoleon Bonaparte gegründet, ist Frankreichs höchster nationaler Verdienstorden. Die Ehrung würdigt nicht allein künstlerischen Ruhm, sondern soll Verdienste um das Gemeinwohl anerkennen. Gerade im kulturellen Feld ist sie deshalb stets auch ein Zeichen dafür, welche Formen von Wissen, Vorstellungskraft und öffentlichem Engagement der Staat sichtbar machen möchte.
Nicht alle Nominierten nehmen dieses Zeichen an. Die Schauspielerin Rachida Brakni teilte auf Instagram mit, dass sie die Auszeichnung ablehne. Über ihre Beweggründe machte sie in der von Franceinfo berichteten Mitteilung keine weitergehenden Angaben. Ihr Verzicht erinnert daran, dass Orden in Frankreich zwar hohes symbolisches Gewicht haben, ihr Wert aber auch darin liegt, dass ihre Annahme eine persönliche Entscheidung bleibt.
So erzählt diese Promotion weniger von einer einheitlichen Kulturidee als von deren Spannweite: wissenschaftliche Geduld bei Perrot, weltläufige Kinopräsenz bei Portman, das Theater der Wunden und der Wiederannäherung bei Mouawad. Und daneben Braknis Nein – eine Geste, die den feierlichen Kanon für einen Moment unterbricht und ihm gerade dadurch eine menschliche Note gibt.
Quellen
- Franceinfo
- Grande Chancellerie de la Légion d'honneur
- Légifrance
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).