Lyon – 19.09.2026: Unter den ehemaligen Gefängnissen Saint-Paul und Saint-Joseph im Stadtteil Perrache liegt ein Ort, den die meisten Passanten kaum kennen. An diesem Wochenende wird der Verbindungstunnel zwischen den früheren Haftanstalten im Rahmen der Europäischen Tage des Denkmals für Besucher geöffnet. Seine Wände tragen Bilder, die Häftlinge 1989 geschaffen haben. Der Künstler Didier Chamizo begleitet die Besichtigungen und berichtet von ihrer Entstehung.
Der unterirdische Gang gehörte zu einem Gefängniskomplex, der über Jahrzehnte den Alltag von Inhaftierten und Bediensteten prägte. Chamizo war damals selbst in Saint-Paul inhaftiert. Gemeinsam mit anderen Gefangenen bemalte er die Tunnelwände. Es entstanden Figuren, Porträts und farbige Flächen, die in deutlichem Gegensatz zur nüchternen Funktion des Durchgangs stehen. Der Tunnel diente dem kontrollierten Wechsel zwischen zwei streng abgeschlossenen Gebäuden; die Malerei gab diesem Raum eine unerwartete zweite Bedeutung.
Das französische Kulturministerium führt die Besichtigung im Programm der Denkmaltage als Street-Art-Angebot in den ehemaligen Gefängnissen Saint-Paul und Saint-Joseph. Die Führungen finden am 19. und 20. September statt. Besucher gelangen damit in einen Bereich, der normalerweise nicht öffentlich zugänglich ist. Erläutert werden sowohl die Geschichte des Standorts als auch die Bedingungen, unter denen die Gefangenen an den Wänden arbeiteten.
Die beiden Haftanstalten wurden 2009 geschlossen. Teile des Areals sind anschließend für den Campus Saint-Paul der Katholischen Universität Lyon umgestaltet worden. Wo früher Menschen inhaftiert waren, befinden sich heute Räume für Lehre und Forschung. Der erhaltene Tunnel verweist jedoch weiterhin auf die frühere Nutzung des Geländes und bewahrt einen ungewöhnlichen Ausschnitt der örtlichen Gefängnisgeschichte.
Chamizo ist inzwischen als Künstler bekannt. Die Präsentation des Tunnels verklärt den Gefängnisalltag dennoch nicht. Die Bilder stammen aus einem von Kontrolle, Trennung und eingeschränkter Bewegungsfreiheit bestimmten Umfeld. Gerade deshalb sind sie mehr als eine dekorative Hinterlassenschaft: Sie dokumentieren, wie Gefangene einen funktionalen Durchgang mit eigenen Motiven und Erinnerungen besetzten.
Auch die jüngere Geschichte des Ortes ist Teil der Führungen. Die Aufwertung des Tunnels wurde 2024 beim Bürgerpreis für Kulturerbe der Stadt Lyon von der Jury besonders gewürdigt. Am Sonntag, dem 20. September, ist auf dem Campus zudem eine Begegnung mit Chamizo vorgesehen. Dort soll er seinen künstlerischen Weg und die Geschichte der Wandbilder erläutern, die seit 1989 im unterirdischen Verbindungsgang erhalten geblieben sind.
Quellen
- Franceinfo
- Französisches Kulturministerium – Europäische Tage des Denkmals
- Katholische Universität Lyon
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).