Metz – 28.09.2026: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat Europa bei einem Treffen mit Papst Leo XIV. in Metz zu politischem Mut und größerer Geschlossenheit aufgerufen. Vor dem Pontifex warnte er davor, einer Rückkehr der Nationalismen nachzugeben. Europa müsse den Mut seiner Gründer wiederfinden. Die Ansprache eröffnete den europäischen Teil des letzten Reisetags des Papstes in Frankreich.
Das Treffen im Robert-Schuman-Kongresszentrum stand unter dem Titel "Zu den Wurzeln Europas für Frieden und Einheit". Der Ort war mit Bedacht gewählt: Robert Schuman, der aus Lothringen stammende frühere französische Außenminister und Wegbereiter der europäischen Integration, gab dem Gebäude seinen Namen. Metz liegt zudem nahe der deutschen Grenze, in einer Region, deren Geschichte von wechselnden Herrschaften und deutsch-französischen Konflikten geprägt ist.
Macron erinnerte an die politische Ausgangslage der europäischen Einigung nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Gründer der europäischen Gemeinschaften hätten aus jahrzehntelangen Kriegen die Konsequenz gezogen, wirtschaftliche Verflechtung und gemeinsame Institutionen über nationale Rivalität zu stellen. Der Präsident knüpfte damit an einen Leitgedanken seiner Europapolitik an: Die Mitgliedstaaten sollen enger zusammenarbeiten und Europa zu größerer strategischer Handlungsfähigkeit verhelfen.
Leo XIV. hatte den Vormittag in Metz mit Vertretern verschiedener Religionsgemeinschaften begonnen. Anschließend sprach er über Europas Verantwortung für Frieden und Einheit. Nach Angaben des Heiligen Stuhls bildete die Veranstaltung einen Teil des Abschlusses seiner apostolischen Reise nach Frankreich, die ihn vom 25. bis 28. September nach Paris, Saint-Denis, Lourdes und Metz führte.
Die Verbindung von europäischer Erinnerungspolitik, Religion und Gegenwartsfragen prägte den Besuch in Lothringen. Leo XIV. würdigte Robert Schuman und hob die christlichen Einflüsse auf die europäische Geschichte hervor. Die Veranstaltung war allerdings kein Gipfeltreffen der Europäischen Union. Macron hatte dennoch die Staats- und Regierungschefs der übrigen 26 Mitgliedstaaten zur Rede des Papstes eingeladen.
Der Auftritt besaß für Macron zugleich innenpolitische Bedeutung. Seine Warnung vor Nationalismen richtete sich gegen Strömungen, die nationale Souveränität stärker gewichten und eine engere europäische Zusammenarbeit ablehnen. Diesen Positionen stellte der Präsident die historische Erfahrung entgegen, dass die europäische Einigung nach 1945 als Friedensordnung entstand und gemeinsame Regeln Konflikte zwischen Staaten begrenzen sollten.
Für den Nachmittag war Macrons Teilnahme an der Abschlussmesse von Leo XIV. in der Kathedrale Saint-Étienne in Metz vorgesehen. Das Innenministerium hatte umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen angekündigt, darunter eine Fahrt des Papstes im Papamobil über eine 2,2 Kilometer lange Strecke durch die Stadt. Mit der Messe sollte der vierte und letzte Tag der Frankreichreise enden.
Quellen
- Franceinfo
- Heiliger Stuhl
- Élysée-Palast
- Französisches Innenministerium
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