Kultur

Martin Margiela versteigert erstmals Teile seines persönlichen Archivs in Paris

Mehr als 200 Skizzen, Prototypen und Arbeitsdossiers des belgischen Designers kamen in Paris unter den Hammer – eine vom Schöpfer selbst kuratierte Auktion, die seltene Einblicke in sein Werk gab und über eine Million…

Paris – 11.07.2026: Erstmals hat Martin Margiela Teile seines persönlichen Archivs in Paris versteigern lassen – und damit einen Blick in die Werkstatt eines der einflussreichsten Modemacher der letzten Jahrzehnte geöffnet. Über 200 Lose, darunter Skizzen, Arbeitsdossiers, Blusen, Prototypen sowie Stücke aus dem privaten Kleiderschrank seiner Mutter, wurden gemeinsam von Maurice Auction und Kerry Taylor Auctions aufgerufen. Die Vorbesichtigung Anfang Juli war bewusst nüchtern inszeniert: Farbflecken auf Papier, handgearbeitete Miniatur-Tabi-Stiefel, weiße Kittel – Spuren der Arbeit statt Laufstegglanz.
Auffällig war die persönliche Handschrift des Designers. Margiela, der Öffentlichkeit und Selbstinszenierung traditionell meidet, bereitete Auswahl und Präsentation eng mit den Auktionshäusern vor. Diese kuratorische Beteiligung verlieh der Schau eine seltene Intimität. Viele Objekte stammen aus den Jahren 1984 bis 2008, als Margiela seine reduktive, dekonstruktive Formensprache etablierte. Die frühen Entwürfe für Wettbewerbe in Antwerpen, seltene Prototypen aus seiner Zeit bei Hermès und Arbeitsmappen aus den 1990er Jahren zeigten, wie konsequent er Material, Schnitt und Funktion hinterfragte.
Nach Angaben der veranstaltenden Häuser und begleitender Medienberichte erzielte die Versteigerung einen Gesamterlös von über einer Million Euro. Hohe Zuschläge für Entwurfsserien und Probestücke unterstreichen das wachsende Interesse am dokumentarischen Wert von Modearchiven. Für Sammlerinnen, Museen und Kuratorinnen bot die Auktion die Möglichkeit, Originale zu sichern, die nicht nur Margielas radikale Eingriffe in Silhouetten dokumentieren, sondern auch seine handwerkliche Präzision – vom Heften und Färben bis zur systematischen Archivierung.
Die Veranstaltung wirft zugleich ein Schlaglicht auf die Rolle privater Archive in der Modegeschichte. Während Häuser und Institutionen zunehmend Erwerbungen tätigen, um Werkzusammenhänge zu bewahren, öffnete Margielas Beteiligung einen direkten Zugang zu Prozessmaterialien, die sonst hinter Atelierwänden bleiben. Dass ein lebender Designer diese Auswahl selbst moderiert, verschiebt die Perspektive: Die Objekte erscheinen weniger als Reliquien, sondern als Arbeitsmittel, deren ästhetische und historische Aussage erst in der Kontextualisierung ihre ganze Wirkung entfaltet.
Für Paris, einen zentralen Ort europäischer Couture, bestätigt die Versteigerung den Trend, Mode nicht nur als Konsumgut, sondern als Kulturerbe zu handeln. Ob die Auktion Maßstäbe für künftige Verkäufe von Designerarchiven setzt, wird sich an der musealen Rezeption und der Zugänglichkeit der erworbenen Bestände zeigen. Fest steht: Für kurze Zeit war ein sonst verborgenes Kapitel Modegeschichte öffentlich sichtbar – sachlich, präzise und mit jener leisen Strenge, die Margielas Werk prägt.

Quellen

  • Franceinfo
  • Le Monde
  • Vogue France
  • Le Figaro
  • Wallpaper
  • Maurice Auction

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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