Paris – 09.10.2026: Im Streit über Jordan Bardella zugeschriebene antisemitische Nachrichten sind neue Vorwürfe erhoben worden. Nach einem Bericht der Wochenzeitung Le Canard enchaîné wurden Daten eines älteren Facebook-Kontos zwischen dem 28. September und dem 2. Oktober gelöscht. In diesen Zeitraum fielen die ersten Veröffentlichungen des Rechercheportals Mediapart über Messenger-Nachrichten aus den Jahren 2013 und 2014.
Der Wochenzeitung sollen Auszüge privater Unterhaltungen vorliegen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten angefertigt wurden. Aus einem Vergleich dieser Dokumente folge, dass die Daten des betreffenden Kontos nach Bekanntwerden der Mediapart-Recherchen entfernt worden seien. Franceinfo und Le Monde griffen den Bericht auf. Eine gerichtliche Feststellung zu dem behaupteten Löschvorgang liegt bislang nicht vor.
Das Umfeld des Vorsitzenden des Rassemblement National wies die Darstellung am Freitag entschieden zurück. Bardella habe sich nie in das betreffende Facebook-Konto eingeloggt und weder Nachrichten noch andere Daten gelöscht. Der RN bezeichnete die Behauptung als falsch und kündigte an, binnen weniger Stunden eine Klage wegen Verleumdung einzureichen.
Die Kontroverse begann am 28. September. Mediapart schrieb Bardella antisemitische Äußerungen zu, die er 2013 als junger Aktivist des damaligen Front National über den Facebook-Dienst Messenger verschickt haben soll. Bardella bestreitet, die Nachrichten verfasst zu haben. Er bezeichnete die Recherche wiederholt als Fälschung und als politische Kampagne gegen seine Person.
Am 1. Oktober veröffentlichte Mediapart weitere Dokumente. Das Portal erklärte, die Gesprächsdaten seien mithilfe eines Datenexports beim Facebook-Mutterkonzern Meta gesichert worden. Der Export sei bereits am 16. August beantragt worden, also mehrere Wochen vor dem Erscheinen des ersten Berichts. Nach Angaben des Portals stützt sich die Zuordnung des Kontos außerdem auf Gespräche mit früheren Bekannten Bardellas sowie auf biografische Angaben, die mit seinem damaligen Umfeld übereinstimmten.
Ob Daten tatsächlich gelöscht wurden und wer dafür verantwortlich gewesen sein könnte, ist von der Frage nach der Urheberschaft der Nachrichten zu trennen. Der behauptete Vorgang könnte jedoch für die Beurteilung digitaler Belege relevant werden. Der RN bestreitet sowohl eine Nutzung des Kontos durch Bardella als auch eine von ihm veranlasste Löschung.
Bardella hatte bereits Ende September eine Verleumdungsklage gegen Mediapart angekündigt. Mit der nun angekündigten Klage gegen den neuen Vorwurf zeichnet sich eine weitere juristische Auseinandersetzung ab. Für deren Ausgang dürften vor allem die bei Meta gespeicherten Kontodaten, die Herkunft der vorgelegten Auszüge und ihre gerichtliche Prüfung maßgeblich sein.
Quellen
- Franceinfo
- Le Monde
- Mediapart
- Le Canard enchaîné
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).