La Paz – 20.09.2026: Ein internationales Forschungsteam hat eine bislang wissenschaftlich nicht beschriebene Wildkatzenart aus Bolivien als Leopardus tilcayo eingeordnet. Die Ergebnisse erschienen am 17. September 2026 in der Fachzeitschrift Current Biology. Nach Angaben der beteiligten Wissenschaftler handelt es sich um die erste seit mehr als einem Jahrhundert formal benannte und beschriebene heute lebende Katzenart.
Die Wildkatze lebt in den Berg- und Nebelwäldern der Yungas am östlichen Rand der bolivianischen Anden. Ihr wissenschaftlicher Name greift die örtliche Bezeichnung Tilcayo auf. Als Typuslokalität, also als Fundort des für die Artbeschreibung maßgeblichen Exemplars, nennt die Universität Mayor de San Andrés ein Gebiet nahe Arapata in der Provinz Nor Yungas. Der Ort liegt im Departamento La Paz auf rund 1.570 Metern Höhe.
Ausgangspunkt der Untersuchung war ein kleines geflecktes Männchen, das eine Familie im Wald gefunden und zunächst bei sich aufgenommen hatte. Weil sein Verhalten ihr zunehmend ungewöhnlich erschien, brachte sie das Tier später in das Wildtierzentrum Senda Verde in der Yungas-Region. Dort bemerkten Fachleute Merkmale, die es von bereits bekannten kleinen Wildkatzen unterschieden. Dieser Verdacht ließ sich jedoch erst mit genetischen Untersuchungen erhärten.
Das Tier misst ohne Schwanz etwa 46 Zentimeter und wiegt rund 1,4 Kilogramm. Damit ist es kleiner als eine durchschnittliche Hauskatze. Sein hellbraunes Fell trägt dunkle, unregelmäßige Flecken. Solche äußeren Kennzeichen reichen für die Abgrenzung nah verwandter Katzenarten allein nicht aus, weil Färbung, Muster und Körpermaße innerhalb einzelner Populationen variieren können.
Für die Studie verglich das Team daher vollständige Erbgutinformationen von 38 Katzenproben aus Mittel- und Südamerika. Ein Teil des Materials stammte aus Museumssammlungen, die damit eine wichtige Grundlage für den Vergleich über größere Regionen und Zeiträume lieferten. Die genetische Analyse ordnet Leopardus tilcayo innerhalb der Gruppe kleiner südamerikanischer Tigerkatzen ein. Nach den Berechnungen der Forschenden trennte sich seine Entwicklungslinie vor etwa 1,4 Millionen Jahren von den nächsten Verwandten.
Die Arbeit verändert zugleich die wissenschaftliche Gliederung dieser Wildkatzengruppe. Die Forschenden unterscheiden nun mindestens fünf Arten, darunter Leopardus tigrinus, Leopardus guttulus, Leopardus pardinoides und Leopardus emiliae. Wie groß das Verbreitungsgebiet von Leopardus tilcayo ist, wie viele Tiere dort leben und welchen Gefahren sie ausgesetzt sind, lässt sich bislang nicht belastbar angeben. Die bisher ausgewerteten Nachweise stammen ausschließlich aus Bolivien. Für eine Bewertung des Gefährdungsstatus sind deshalb weitere Beobachtungen und genetische Proben nötig.
Quellen
- Franceinfo
- Universidad Mayor de San Andrés
- Pontifícia Universidade Católica do Rio Grande do Sul
- Associated Press
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).