Frankreich hat eine geniale Idee entwickelt: Wer bei einer Demonstration nichts zerstört, nichts anzündet und niemanden verprügelt, könnte künftig trotzdem zur Kasse gebeten werden. Willkommen im Land der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit – jetzt mit gemeinschaftlicher Rechnung für fremde Dummheit!
Man muss sich das einmal vorstellen! Da geht ein französischer Bürger auf die Straße, weil er mit seiner Regierung unzufrieden ist. Das darf er! Noch! Plötzlich fliegen Pflastersteine, irgendein Vollidiot zündet ein Auto an, und die Polizei fordert die Menge auf, sich aufzulösen.
Unser Bürger hört nichts, weil um ihn herum dreitausend Menschen brüllen. Oder er kommt nicht weg, weil die Polizei die Straße abgesperrt hat.
Und dann? Dann könnte es teuer werden!
Bis zu 10.000 Euro Schadenersatz soll künftig zahlen können, wer wissentlich an einer gewalttätigen Gruppe teilnimmt oder trotz Auflösungsaufforderung freiwillig bei Ausschreitungen bleibt.
JA, SIND WIR DENN JETZT VÖLLIG ÜBERGESCHNAPPT?!
Natürlich sollen Randalierer bezahlen! Wer Autos anzündet, soll für Autos bezahlen. Wer Schaufenster einschlägt, soll für Schaufenster bezahlen. Wer eine Bushaltestelle zerlegt, darf meinetwegen persönlich die Glasscherben mit der Zahnbürste aufsammeln!
Aber seit wann ist Anwesenheit eine Sachbeschädigung?
Die Regierung sagt natürlich: So einfach ist das nicht! Man müsse wissen, was geschieht, freiwillig bleiben und bestimmte Voraussetzungen erfüllen.
Ach so! Na wunderbar! Dann hoffen wir doch, dass der Richter hinterher ganz genau weiß, was jemand während eines Polizeieinsatzes gehört, gesehen und gedacht hat!
Und jetzt kommt die eigentliche Meisterleistung französischer Staatskunst.
MAN WILL SOGAR AN DIE SOZIALLEISTUNGEN!
Familienbeihilfen! Wohngeld! Mindestsicherung!
Da hat also womöglich ein Jugendlicher Mist gebaut, und anschließend wird das Geld knapp, mit dem seine Familie die Miete bezahlt oder Lebensmittel kauft.
Großartig! Das ist ungefähr so, als würde man einen Wohnungsbrand bekämpfen, indem man dem Nachbarn das Wasser abstellt!
Verstehen wir uns richtig: Opfer von Gewalt haben ein Recht auf Entschädigung. Geschäftsleute, deren Existenz durch Ausschreitungen zerstört wird, dürfen nicht allein auf ihren Verlusten sitzen bleiben.
Aber ein Rechtsstaat zeichnet sich gerade dadurch aus, dass er zwischen Schuldigen und Unschuldigen unterscheiden kann.
Und wenn er das nicht mehr zuverlässig schafft, sollte er vielleicht seine Ermittlungen verbessern, statt seine Rechnungen großzügiger zu verteilen.
Denn Demokratie bedeutet nicht nur, dass friedliche Bürger demonstrieren dürfen, solange sich alle anderen benehmen.
Sie bedeutet auch, dass der Staat nicht aus Bequemlichkeit die Verantwortung des Einzelnen durch die Haftung einer ganzen Gruppe ersetzt.
Liebe französische Senatoren, ein kleiner Vorschlag: Lassen Sie die Menschen für das bezahlen, was sie tatsächlich verantworten – und nicht für das, was irgendein Idiot neben ihnen veranstaltet!
Sonst heißt es bald nicht mehr Liberté, Égalité, Fraternité.
Sondern:
LIBERTÉ, ÉGALITÉ, FACTURE POUR TOUS!
Freiheit, Gleichheit – und die Rechnung für alle!
Ein satirischer Kommentar zum französischen Gesetzesvorhaben „casseurs-payeurs“.
Christine Macha