Marseille – 19.10.2026: Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez hat Marseille für die nächste Demonstration am Samstag, dem 24. Oktober, ein größeres Polizeiaufgebot zugesagt. Nach einem rund 45-minütigen Gespräch mit Bürgermeister Benoît Payan am Montagabend erklärte der Minister, die Sicherheitskräfte würden verstärkt. Die Zusage folgt auf schwere Ausschreitungen und Plünderungen am Rande der landesweiten Mobilisierung vom 17. Oktober.
Nuñez traf am Abend im Rathaus von Marseille ein, nachdem sein ursprünglich für den Nachmittag geplanter Besuch verschoben worden war. Payan hatte das Gespräch nach den Vorfällen vom Samstag mit Nachdruck verlangt. Der Bürgermeister wirft dem Staat vor, die zweitgrößte Stadt Frankreichs nicht ausreichend geschützt zu haben. Nun fordert er Aufklärung über die Vorbereitung und Führung des Polizeieinsatzes.
Am Samstag waren Gruppen in das historische Rathaus am Alten Hafen eingedrungen. Auch die Zentrale der städtischen Polizei an der Canebière wurde angegriffen. Nach Angaben des Innenministers waren für diesen Tag drei mobile Einheiten, eine schnelle Eingreiftruppe und Motorradstaffeln der Polizei vorgesehen. Nuñez räumte jedoch ein, dass am Morgen zunächst nur eine mobile Einheit vor Ort gewesen sei, als größere Gruppen in der Innenstadt eintrafen.
Der Streit berührt eine wichtige institutionelle Trennlinie. Für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung bei Großdemonstrationen ist in Frankreich grundsätzlich der Staat zuständig, insbesondere über die nationale Polizei, die Gendarmerie und die Präfektur. Die kommunale Polizei untersteht dagegen dem Bürgermeister und besitzt begrenztere Befugnisse. Payan verlangte deshalb vom Innenminister eine genaue Darstellung der erteilten Anweisungen und des zeitlichen Ablaufs.
Die angekündigte Verstärkung gilt der für den 24. Oktober erwarteten neuen Mobilisierung. Studentenorganisationen, darunter die Nationale Studentenunion Frankreichs, sowie Gruppen aus dem Umfeld der Gelbwesten haben zu Demonstrationen aufgerufen. Sie verbinden soziale Forderungen, vor allem zur Lage junger Menschen und zu den steigenden Lebenshaltungskosten, mit Kritik am Vorgehen der Sicherheitsbehörden.
Die Regierung steht nach den Ereignissen vom 17. Oktober auch außerhalb Marseilles unter Druck. Justizminister Gérald Darmanin nannte am Montag 2.513 Fälle von Polizeigewahrsam und 67 Inhaftierungen im Zusammenhang mit den Ausschreitungen des Wochenendes. Der Rechtsausschuss des Senats kündigte eine Informationsmission an, die die Vorbereitung der Einsätze und mögliche institutionelle Verantwortlichkeiten untersuchen soll.
Konkrete Zahlen zu den zusätzlichen Kräften oder Einzelheiten des Einsatzplans legte Nuñez am Montagabend nicht vor. Die Verstärkung soll am 24. Oktober verhindern, dass friedliche Demonstrierende und gewalttätige Gruppen erneut nicht wirksam voneinander getrennt werden.
Quellen
- Franceinfo
- Le Monde
- Senat
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).