Paris – 06.09.2026: Unter dem Aufruf "Nehmt das Kopftuch und geht hinaus" veröffentlichen Frauen und Männer in Frankreich Videos, in denen sie sich ein Tuch um den Kopf binden und anschließend in den öffentlichen Raum treten. Die Aktion richtet sich gegen Pläne des Rassemblement National, die Regeln für das Tragen islamischer Kopftücher zu verschärfen. Zugleich soll sie Solidarität mit muslimischen Frauen ausdrücken.
Die meist kurzen Beiträge folgen einem einfachen Muster: Die Beteiligten filmen sich beim Anlegen eines Tuchs und erläutern, weshalb sie die Forderung der rechtsnationalen Partei als Eingriff in persönliche Freiheiten betrachten. Es handelt sich weniger um eine zentral organisierte Protestbewegung als um eine digitale Kampagne, deren Wirkung aus der Wiederholung derselben Geste entsteht.
Das Rassemblement National begründet seinen Kurs mit dem Schutz Minderjähriger, der Gleichstellung von Frauen und dem republikanischen Prinzip der Laizität. Die Partei wertet das Kopftuch häufig als Ausdruck des politischen Islam. In einer schriftlichen Anfrage vom April 2026 verlangte die RN-Abgeordnete Marine Hamelet von der Regierung eine eindeutigere Haltung zum Kopftuch bei Minderjährigen. Dabei berief sie sich auf Kindeswohl und Gleichberechtigung.
Die geltende Rechtslage ist enger gefasst. Seit dem Gesetz vom 15. März 2004 sind auffällige religiöse Zeichen für Schülerinnen und Schüler an öffentlichen Schulen verboten. Ein grundsätzliches Verbot für Erwachsene im öffentlichen Raum folgt daraus jedoch nicht. Eine entsprechende Regelung würde daher erheblich über die bestehenden schulischen Vorschriften hinausreichen und unmittelbar die Freiheit berühren, religiöse Überzeugungen sichtbar zu praktizieren.
Auch im Parlament ist umstritten, wie weit der Staat gehen darf. Gegner weiterer Verbote verweisen auf Gewissensfreiheit und Gleichbehandlung. Befürworter halten dagegen, der Staat müsse Mädchen vor familiärem oder sozialem Zwang schützen. Selbst wenn der Schutz vor Zwang parteiübergreifend als legitimes Ziel gilt, bleibt offen, ob ein pauschales Verbot dafür ein geeignetes und rechtlich tragfähiges Mittel wäre.
Die Onlinekampagne setzt an einem anderen Punkt an. Ihre Teilnehmer wenden sich gegen die Annahme, ein sichtbares religiöses Zeichen sei zwangsläufig Ausdruck fehlender Selbstbestimmung. Dass sich auch nichtmuslimische Frauen und Männer mit Kopftuch zeigen, soll die politische Forderung als Frage gleicher Rechte im öffentlichen Raum kenntlich machen. Über die religiöse Praxis selbst fällt die Aktion kein Urteil.
Für das Rassemblement National gehört die Kopftuchfrage zu seinem langjährigen Vorgehen gegen islamistische und separatistische Einflüsse. Die Gegenkampagne deutet dieselbe Politik als Beschränkung individueller Freiheit. Ein allgemeines Verbot des Kopftuchs im öffentlichen Raum ist in Frankreich derzeit nicht beschlossen.
Quellen
- Franceinfo
- Assemblée nationale
- Rassemblement National
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).