Paris – 18.07.2026: Die Pariser Großmoschee hat am 15. Juli ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert. Das Gebäude im 5. Arrondissement wurde am 15. Juli 1926 eröffnet. Die Jubiläumsveranstaltung stellte die lange Geschichte der Institution in den Mittelpunkt, die heute zugleich Gebetsort, kulturelles Wahrzeichen und eine wichtige Stimme des muslimischen Lebens in Frankreich ist.
Die Moschee entstand vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs. Der französische Staat hatte das Projekt während des Krieges aufgegriffen, nachdem zahlreiche muslimische Soldaten in französischen Diensten gefallen waren. Mit dem Bau sollte ihre Beteiligung an der Verteidigung Frankreichs anerkannt werden. Der Grundstein war am 19. Oktober 1922 gelegt worden; zur Eröffnung kam auch Staatspräsident Gaston Doumergue.
Rektor Chems-eddine Hafiz verband die Feier am Mittwoch mit einem Appell, die Erinnerung an die gefallenen muslimischen Soldaten und die Gegenwart muslimischer Bürger in Frankreich zusammenzudenken. Die Moschee verwies in ihren Mitteilungen zum Jubiläum auf ihre Rolle als Ort des Glaubens, des Austauschs und der Begegnung. Zum hundertjährigen Bestehen erschien außerdem eine Sonderbriefmarke der französischen Post.
Die Historikerin Naïma Huber-Yahi ordnet die Geschichte der Moschee differenziert ein. In einem aktuellen Gespräch über einen neuen Sammelband zur Institution beschrieb sie deren Entwicklung von einem Bauwerk im kolonialen Kontext zu einem möglichen Ort gesellschaftlicher Selbstbehauptung. Diese Deutung verweist auf die doppelte historische Grundlage des Hauses: staatliche Anerkennung und koloniale Machtverhältnisse prägten seine Entstehungszeit zugleich.
Der zum Jubiläum veröffentlichte Band "Die Pariser Großmoschee: Blicke auf 100 Jahre in 100 Ereignissen" greift diese Geschichte auf. Das Werk wurde unter Leitung von Chems-eddine Hafiz herausgegeben und behandelt die Entwicklung der Moschee seit ihrer Eröffnung. Für die aktuelle Debatte ist dabei entscheidend, dass die Institution nicht nur als Denkmal betrachtet wird, sondern auch als Teil der französischen Gegenwart.
Die Pariser Großmoschee liegt nahe dem Jardin des Plantes und zählt zu den bekanntesten islamischen Bauwerken des Landes. Ihre Architektur mit Innenhof, Mosaiken und Minarett ist fest im Stadtbild verankert. Gleichzeitig steht die Einrichtung seit Jahrzehnten im Fokus von Fragen über Religionsfreiheit, Repräsentation und das Verhältnis zwischen Staat und muslimischen Organisationen.
Das Jubiläum macht damit eine historische Kontinuität sichtbar: Aus einem Projekt, das eng mit Frankreichs damaligem Kolonialreich verbunden war, wurde eine dauerhafte religiöse und kulturelle Institution. Die Feier vom 15. Juli 2026 setzte nicht nur einen Erinnerungspunkt, sondern eröffnete erneut eine Diskussion darüber, wie die Geschichte muslimischer Menschen in Frankreich erzählt und anerkannt wird.
Quellen
- Grande Mosquée de Paris
- Ville de Paris
- Ministère de l'Intérieur
- Éditions du Cherche Midi
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).