Gravelines – 12.08.2026: Außergewöhnlich große Quallenansammlungen haben am Montag, 10. August, den Betrieb des Kernkraftwerks Gravelines an der französischen Nordseeküste erheblich beeinträchtigt. Nach Angaben des Betreibers EDF schalteten sich die Reaktorblöcke 3 und 4 automatisch ab. Block 2 wurde vom Betriebsteam kontrolliert heruntergefahren, Block 1 drosselte seine Leistung auf 50 Prozent.
Block 5 war bereits wegen planmäßiger Wartungsarbeiten außer Betrieb. Lediglich Block 6 produzierte weiterhin Strom. EDF teilte am 11. August mit, der Vorfall habe weder die Sicherheit der Anlage und ihrer Beschäftigten noch die Umwelt beeinträchtigt. Wann die abgeschalteten Reaktoren wieder ans Netz gehen können, ließ der Konzern zunächst offen.
Auslöser waren große Mengen Quallen im Bereich der Meerwasserentnahme. Das dort angesaugte Wasser dient der Kühlung technischer Systeme. Die Tiere belasteten die Filteranlagen der Pumpstationen; daraufhin griffen die vorgesehenen Schutzmechanismen. Zunächst wurden vorsorgliche Maßnahmen aktiviert, später lösten die starken Ansammlungen die automatische Abschaltung zweier Reaktoren aus. Block 2 wurde zusätzlich kontrolliert gestoppt, die Leistung von Block 1 reduziert.
Ein vergleichbarer Zwischenfall hatte sich bereits im August 2025 ereignet. Damals setzten Quallen die Filteranlagen derart unter Druck, dass sich die Blöcke 2, 3, 4 und 6 nacheinander automatisch abschalteten. Die französische Atomaufsicht ASNR ordnete das Ereignis später auf Stufe 0 der internationalen INES-Skala ein. Die sicherheitsrelevanten Kühlkreisläufe seien jederzeit verfügbar geblieben; Auswirkungen auf Menschen und Umwelt habe es nicht gegeben.
Nach diesem Vorfall baute EDF die Überwachung der Kühlwasserzufuhr aus. An den Filtertrommeln und am Zuleitungskanal wurden Kameras installiert, deren Bilder in die Leitwarte übertragen werden. Hinzu kamen tägliche Sichtkontrollen auf See sowie kurzfristige Probenahmen in mehreren festgelegten Zonen, sobald verdächtige Ansammlungen gemeldet werden. Bei besonders hohen Konzentrationen können in der Nähe des Kraftwerks gezielte Fangmaßnahmen veranlasst werden.
Dafür arbeitet das Werk mit dem Verband France Pêche Durable et Responsable und der französischen Seenotrettung SNSM zusammen. Fischer und Rettungskräfte sollen größere Quallenschwärme vor der Küste frühzeitig erkennen und melden. Die Vereinbarung mit dem Fischereiverband hat nach Angaben von EDF ein Volumen von 1,5 Millionen Euro und läuft über drei Jahre. Der erneute Vorfall ereignete sich somit trotz der erweiterten Beobachtung, die nach den Abschaltungen des Vorjahres eingeführt worden war.
Quellen
- EDF, Mitteilung zu den Produktionseinheiten vom 11.08.2026
- EDF, Auswertung und verstärkte Maßnahmen nach dem Quallenvorfall 2025 vom 29.06.2026
- ASNR, Bericht zu den automatischen Abschaltungen in Gravelines vom 21.08.2025
- Franceinfo, Bericht vom 12.08.2026
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).