Paris – 04.08.2026: Quallen erschweren im Sommer an manchen Küsten das Baden. Für die Wissenschaft sind die durchscheinenden Meerestiere jedoch weit mehr als eine lästige Begleiterscheinung warmer Tage. Ein am 3. August ausgestrahlter Wissenschaftsbeitrag von Franceinfo beschreibt ihren Nutzen für Medizin, Zellbiologie und Ozeanografie. Vor allem ein Protein aus einer Qualle hat den Blick in lebende Zellen grundlegend verändert.
Das grün fluoreszierende Protein GFP wurde ursprünglich bei der Qualle Aequorea victoria entdeckt. Wird es mit blauem oder ultraviolettem Licht angeregt, leuchtet es grün. Forschende können die zugehörige Erbinformation mit Genen für andere Proteine verbinden und diese dadurch in lebenden Zellen sichtbar machen. Vorgänge, die sich dem bloßen Auge entziehen, erhalten so eine leuchtende Markierung.
Für die Entdeckung und Weiterentwicklung von GFP erhielten Osamu Shimomura, Martin Chalfie und Roger Y. Tsien 2008 den Nobelpreis für Chemie. Mit der Methode lassen sich etwa die Entwicklung von Nervenzellen, die Wanderung einzelner Zellen oder die Ausbreitung von Tumorzellen unter dem Mikroskop verfolgen. GFP ist selbst kein Medikament. Als Forschungswerkzeug unterstützt es jedoch grundlegende Arbeiten, auf denen diagnostische und therapeutische Verfahren aufbauen können.
Auch in den Ozeanen erfüllen Quallen mehrere Funktionen. Sie fressen Zooplankton, Larven und Fischeier, werden aber zugleich von Fischen, Meeresschildkröten und anderen Tieren gefressen. Damit wirken sie an der Verteilung von Energie und Biomasse in marinen Nahrungsnetzen mit. Modelle zur Biodiversität müssen diese Beziehungen berücksichtigen, wenn sie Veränderungen in Küstengewässern möglichst realistisch abbilden sollen.
Große Ansammlungen können dennoch erhebliche Probleme verursachen: für Badegäste, Fischerei und Aquakultur, mitunter auch für technische Anlagen, die Meerwasser aufnehmen. Ein gehäuftes Auftreten lässt sich allerdings nicht pauschal auf steigende Wassertemperaturen zurückführen. Je nach Art und Region spielen auch Nährstoffeinträge, Überfischung, Küstenbebauung, Strömungen und die Verfügbarkeit von Beute eine Rolle. Verlässliche Aussagen erfordern deshalb langfristige Beobachtungen vor Ort.
Quallen reagieren vergleichsweise rasch auf veränderte Umweltbedingungen. Schwankungen ihrer Bestände können Hinweise auf Verschiebungen beim Plankton oder in den Nahrungsbeziehungen liefern, sind für sich genommen aber kein eindeutiger Beleg für eine bestimmte Ursache. Die Wirkung großer Vorkommen hängt von Art, Jahreszeit und Meeresgebiet ab.
So verbindet die Quallenforschung zwei sehr unterschiedliche Felder. Im Labor ermöglichen fluoreszierende Proteine präzise Einblicke in lebende Zellen; im Meer liefern systematische Bestandsdaten Anhaltspunkte für den Zustand von Nahrungsketten und Küstenökosystemen.
Quellen
- Franceinfo
- Nobelpreis
- CNRS Mathématiques
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).