Am frühen Dienstagmorgen hat die französische Polizei das Kulturzentrum Gaîté Lyrique in Paris geräumt. Seit mehr als drei Monaten war die Veranstaltungshalle von Hunderten jungen Migranten besetzt, die auf eine Unterbringung hofften.
Kurz vor 6 Uhr durchbrachen Polizisten und Gendarmen die Blockaden von Unterstützern, die sich vor dem Gebäude versammelt hatten. Die Stimmung war angespannt, berichteten Journalisten vor Ort. Gegen 6:15 Uhr drangen die Einsatzkräfte schließlich ins Innere des Gebäudes ein.
Gewalt bei der Räumung
Die linke Abgeordnete Danielle Simonnet, die sich am Ort des Geschehens befand, prangerte das harte Vorgehen der Polizei an. „Es war eine extrem gewaltsame Intervention“, sagte sie. Die Sicherheitskräfte hätten mit Schlagstöcken auf die jungen Besetzer eingeschlagen, „während diese gerade dabei waren, ihre Taschen zu packen“.
Die Pariser Polizei hatte bereits am Montagabend eine Anordnung zur Räumung erlassen. Polizeipräfekt Laurent Nuñez begründete den Schritt mit einer „Störung der öffentlichen Ordnung“. Gleichzeitig versprach er, dass den Jugendlichen Unterbringungsmöglichkeiten angeboten würden und ihre rechtliche Situation überprüft werde.
Ein monatelanges Tauziehen zwischen Stadt und Staat
Die Besetzung der Gaîté Lyrique begann am 10. Dezember. Die jungen Migranten – viele von ihnen behaupten, minderjährig zu sein – fordern, als solche anerkannt und untergebracht zu werden. Doch ihre Situation wurde monatelang zwischen der Stadt Paris und dem französischen Staat hin- und hergeschoben.
Während die Stadt betonte, dass sie nicht zuständig sei, verwies der Staat auf die Verantwortung der Kommune. Schließlich schaltete sich die Justiz ein: Am 13. Februar ordnete das Verwaltungsgericht auf Antrag der Stadt die Räumung innerhalb eines Monats an.
Nun ist diese Anordnung umgesetzt – doch die Zukunft der jungen Migranten bleibt ungewiss.
Von C. Hatty