Paris – 04.09.2026: Nach dem Unterricht beginnt für viele französische Kinder ein weiterer, von den Gemeinden organisierter Teil des Tages: Mittagessen, Betreuung, Sport und Freizeitangebote. Eine am Freitag veröffentlichte Recherche von Franceinfo untersucht, weshalb dieser Bereich seit Jahren von schweren Gewaltvorwürfen und unzureichenden Kontrollen überschattet wird. Dem Bericht zufolge sind inzwischen die 20 größten Städte des Landes mit entsprechenden Meldungen konfrontiert.
Im Zentrum stehen die Animateurinnen und Animateure, die Kinder vor und nach dem Unterricht sowie während der Mittagspause begleiten. Nach der Recherche wurden die Anforderungen an Qualifikation und Kontrolle in den vergangenen zehn Jahren schrittweise gesenkt, während Arbeitsdruck und Personalmangel zunahmen. Die Vorwürfe richten sich nicht pauschal gegen die Beschäftigten, von denen die große Mehrheit unbescholten arbeitet. Sie betreffen vielmehr strukturelle Schwächen bei Auswahl, Aufsicht und Informationsaustausch.
Besonders deutlich wurde die Krise in Paris. Parlamentarischen Dokumenten zufolge wurden dort seit dem 1. Januar 2026 insgesamt 78 Betreuungskräfte suspendiert; in 31 Fällen bestand der Verdacht sexualisierter Gewalt. Die Pariser Staatsanwaltschaft hatte zudem 15 Ermittlungen wegen mutmaßlicher Sexualdelikte in Vorschulen eingeleitet. Eine Suspendierung dient dem Schutz der Kinder und bedeutet keine Feststellung strafrechtlicher Schuld.
Der französische Senat befasste sich bereits im Mai mit den Kontrolllücken. In einer Sitzung wurde darauf hingewiesen, dass Betreuungskräfte an Grundschulen bislang nicht vollständig von den vorgesehenen Zuverlässigkeitsprüfungen erfasst würden. Schule, Jugendhilfe, Sportvereine und kommunale Angebote arbeiten mit unterschiedlichen Verfahren. An ihren Schnittstellen können Hinweise auf frühere Auffälligkeiten oder laufende Verfahren verloren gehen.
Auch aus Morigny-Champigny im Département Essonne, Perpignan und Vétraz-Monthoux liegen Meldungen vor. Die genannten Fälle befinden sich in unterschiedlichen Verfahrensstadien, von Anzeigen und Ermittlungen bis zu Anklagen. Das tatsächliche Ausmaß lässt sich daraus nicht ableiten, weil interne Prüfungen, polizeiliche Ermittlungen und Strafverfahren nicht in einer einheitlichen landesweiten Statistik erfasst werden.
Wie leicht der Zugang zu einer solchen Tätigkeit sein kann, illustrierte laut einer parlamentarischen Anfrage ein verdeckter Test in Créteil: Eine Reporterin sei 2025 binnen weniger Minuten ohne nachgewiesene Erfahrung oder vorherige Registerprüfung als Betreuungskraft eingesetzt worden. Diese Darstellung ist Teil einer politischen Anfrage und keine gerichtliche Feststellung.
Der Senat beriet deshalb einen Gesetzentwurf, der Zuverlässigkeitsprüfungen vor jeder Tätigkeit mit Minderjährigen vereinheitlichen und ausweiten soll. Vorgesehen ist eine Bescheinigung darüber, dass weder einschlägige Vorstrafen noch Einträge im Register für Sexual- und Gewaltdelikte vorliegen. Damit reagiert das Parlament auf jene Lücken zwischen kommunaler Betreuung, Schulen und anderen Einrichtungen, die Franceinfo in seiner Recherche beschreibt.
Quellen
- Franceinfo Recherche
- Senat
- Nationalversammlung Frankreichs
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).