Politik & Gesellschaft

Retailleau kämpft gegen die Rolle als zweite Wahl

Der Kandidat der Republikaner sucht zwischen Édouard Philippe und Marine Le Pen einen eigenen Weg zur französischen Präsidentschaftswahl 2027.

Paris – 12.09.2026: Bruno Retailleau versucht, seiner Präsidentschaftskampagne neuen Schwung zu geben. Der Vorsitzende der Republikaner liegt in aktuellen Umfragen deutlich hinter Marine Le Pen und Édouard Philippe. Er muss Wähler der bürgerlichen Rechten zurückgewinnen, ohne seine Partei zur bloßen Vorfeldorganisation des Rassemblement National werden zu lassen.

Retailleau erklärte am 12. Februar 2026 seine Kandidatur für die Wahl im Frühjahr 2027. Im April bestimmten ihn die Mitglieder der Republikaner zum Bewerber ihrer Partei. Dieses Mandat verschafft ihm innerparteiliche Rückendeckung, löst aber nicht sein strategisches Problem: Philippe gilt im Mitte-rechts-Lager bislang als der aussichtsreichere Anwärter auf den Einzug in die Stichwahl.

Eine am 5. September veröffentlichte Erhebung von Ipsos BVA sah Retailleau bei 6 Prozent, Philippe bei 17 Prozent und Le Pen bei 34,5 Prozent. Andere jüngere Umfragen zeichnen je nach angenommener Kandidatenkonstellation ein ähnliches Bild. Solche Werte sind mehr als ein Jahr vor der Wahl keine Prognose. Sie lassen jedoch erkennen, dass Retailleau gegen zwei Arten taktischer Stimmabgabe antritt: für Philippe als Kandidaten der gemäßigten Rechten und für Le Pen als Vertreterin der äußersten Rechten.

Der Republikaner setzt deshalb auf Themen, bei denen er ein eigenständiges konservatives Profil beansprucht: innere Sicherheit, Einwanderung, staatliche Autorität und wirtschaftliche Entlastung. Im Juli kündigte Retailleau an, ausdrücklich auch frühere Wähler des Rassemblement National ansprechen zu wollen. Zugleich beharrt die Parteiführung auf einer eigenen Kandidatur. Ein Verzicht zugunsten Philippes könnte die Republikaner zwar hinter einem stärkeren Bewerber sammeln, ihnen aber weiter die politische Eigenständigkeit nehmen.

Zusätzlichen Druck erzeugt die Debatte über eine gemeinsame Auswahl im bürgerlichen und zentristischen Lager. Philippe, Gabriel Attal und Retailleau haben Ambitionen auf die Präsidentschaft erklärt. Eine Vorwahl könnte die Zersplitterung begrenzen, wäre für Retailleau jedoch riskant: Er müsste sich einer Konkurrenz stellen, die sich auf die Netzwerke von Horizons und Renaissance stützen kann.

Am 8. September stellte Retailleau sein Wahlkampfteam vor. Der Generalsekretär der Republikaner, Othman Nasrou, soll die Kommunikation koordinieren; weitere Sprecher sollen die fachpolitische Präsenz ausbauen. Nach einem zurückhaltenden Sommer ist das ein organisatorischer Neustart. An den niedrigen Umfragewerten ändert er vorerst nichts.

Die Ausgangslage ist auch durch die jüngere Geschichte der Republikaner belastet. Bei der Präsidentschaftswahl 2022 erhielt ihre Kandidatin Valérie Pécresse im ersten Wahlgang weniger als 5 Prozent. Retailleau will die Partei wieder als eigenständige rechte Kraft etablieren und zugleich vom Rassemblement National abgrenzen. Ob ihm das gelingt, entscheidet darüber, ob die Republikaner 2027 mehr sein können als die zweite Wahl ihrer früheren Anhänger.

Quellen

  • Franceinfo
  • Les Républicains
  • Le Monde
  • Ipsos BVA
  • OpinionWay
  • LCP – Assemblée nationale

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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