Kultur

Sandrine Bonnaire gibt Betroffenen sexualisierter Gewalt eine Stimme

Der Dokumentarfilm "Die Welt wieder richtig herum" begleitet Menschen, die in ihrer Kindheit sexualisierte Gewalt erlebt haben. Sandrine Bonnaire verkörpert darin die Psychiaterin Muriel Salmona.

Paris – 30.09.2026: Ein stiller Blick, ein geschützter Gesprächsraum, Erinnerungen, die lange keinen Platz hatten: Der Dokumentarfilm "Die Welt wieder richtig herum" ist an diesem Mittwoch in den französischen Kinos angelaufen. Sandrine Bonnaire wirkt an einem Projekt mit, das Menschen begleitet, die in ihrer Kindheit sexualisierte Gewalt erlebt haben. Franceinfo sagte die Schauspielerin, sie habe zugesagt, um einer Stimme Gehör zu verschaffen, die bei manchen Betroffenen tief verschüttet sei.

Regie führte Sylvie Meyer. Ihr 88 Minuten langer Film verbindet Gespräche aus therapeutischen Zusammenhängen mit inszenierten Szenen und bildhaften Rückblicken. Ausgangspunkt ist die Arbeit der Psychiaterin Muriel Salmona, die sich seit Jahren mit den Folgen traumatischer Gewalterfahrungen beschäftigt. Bonnaire, Marianne Denicourt und Isild Le Besco verkörpern Salmona in unterschiedlichen Passagen.

Der Film erzählt die Taten nicht aus, sondern richtet den Blick auf deren Folgen: auf Angst und Scham, belastete Beziehungen und die Mühe, das Erlebte überhaupt in Worte zu fassen. Die Lebensgeschichten der begleiteten Personen werden als Fotogeschichten angedeutet; die Gegenwart der Therapie bleibt davon getrennt. Meyer setzt damit auf Distanz und Andeutung, statt verletzende Bilder zu reproduzieren oder das Leid der Betroffenen zur dramatischen Zuspitzung zu nutzen.

Bonnaire gehört seit mehr als vier Jahrzehnten zu den bekannten Gesichtern des französischen Kinos. Öffentlich hat sie wiederholt über Gewalt gegen Frauen gesprochen. In diesem Film übernimmt sie keine klassische Hauptrolle. Ihre Figur führt Gespräche, hört zu und erläutert therapeutische Schritte. Die prominente Besetzung schafft einen Zugang zu einem Stoff, bei dem Sprache, Vertrauen und die Kontrolle über die eigene Geschichte besondere Bedeutung haben.

Die Produktion knüpft an Meyers früheren Film "Gestohlene Kindheit, Chronik eines Verdrängens" an. Nach Angaben des Verleihs ging die Idee aus der Begegnung der Regisseurin mit Salmona und deren Arbeit mit traumatisierten Menschen hervor. Der neue Film beschreibt Heilung nicht als geraden Weg, sondern als langwierigen Prozess. Erinnerungen, körperliche Reaktionen und Vertrauen müssen darin immer wieder neu bearbeitet werden.

Der Kinostart fällt in eine anhaltende gesellschaftliche Debatte über sexualisierte Gewalt und den Schutz von Kindern in Frankreich. Zugleich behandelt der Film eine schwierige Frage des dokumentarischen Erzählens: Wie lässt sich von traumatischen Erfahrungen berichten, ohne Betroffene erneut auf die erlittene Gewalt festzulegen? Meyers Antwort liegt in der Konzentration auf ihre Gegenwart, ihre Worte und die konkrete Arbeit der Therapie. Der Film endet deshalb nicht mit einer allgemeinen Botschaft, sondern bei den Gesprächen, in denen Verschwiegenes erstmals ausgesprochen werden kann.

Quellen

  • Franceinfo
  • Nour Films
  • AlloCiné

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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