Paris – 29.09.2026: Die seit rund einer Woche andauernden Proteste an französischen Gymnasien haben sich am Dienstag auf weitere Landesteile ausgeweitet. Schülerinnen und Schüler blockierten Eingänge oder störten den Unterricht an zahlreichen Standorten, nachdem die Union syndicale lycéenne zu landesweiten Aktionen aufgerufen hatte. Die Mobilisierung fiel mit einem Aktionstag im öffentlichen Dienst zusammen. Bereits am Montag waren nach Angaben des Innenministeriums 180 Schulen betroffen.
Ausgangspunkt sind konkrete Probleme des Schulalltags. Jugendliche beklagen überfüllte Klassen, stark verdichtete Stundenpläne, unbesetzte Lehrerstellen und fehlendes Personal für Aufsicht, Schulgesundheit und soziale Beratung. Hinzu kommen Berichte über sanierungsbedürftige oder hygienisch mangelhafte Gebäude. Die Forderungen unterscheiden sich von Schule zu Schule, verbreiten sich jedoch über soziale Netzwerke und lokale Flugblätter.
Zunächst hatte die Bewegung vor allem die Region Île-de-France erfasst. In der vergangenen Woche wurden dort an etwa 60 Gymnasien Störungen registriert. Inzwischen meldeten auch Städte außerhalb des Großraums Paris Aktionen. Am Lycée Montebello in Lille wurde der Unterricht am Dienstag für den gesamten Tag ausgesetzt. Bilder aus mehreren Städten zeigten blockierte Eingänge; vereinzelt kam es bei Blockadeversuchen zu Sachbeschädigungen und Zusammenstößen.
Die Union syndicale lycéenne führt die Proteste auf eine strukturelle Unterausstattung vieler Einrichtungen zurück. Ihr Vorsitzender Ryad Rani verwies auf fehlende Lehrkräfte in prüfungsrelevanten Fächern sowie auf Lücken bei Bildungsassistenten, Schulkrankenschwestern und Sozialarbeitern. Eine landesweit einheitliche amtliche Bilanz zu den von der Organisation genannten Personaldefiziten liegt bislang nicht vor.
Inzwischen ist über die schulischen Forderungen ein parteipolitischer Streit entstanden. Abgeordnete von La France insoumise unterstützten einzelne Aktionen öffentlich, darunter Louis Boyard im Département Val-de-Marne. Premierminister Sébastien Lecornu und Valérie Pécresse, Präsidentin der Region Île-de-France, warfen der Opposition dagegen vor, die Proteste politisch zu instrumentalisieren. Die Organisatoren beharren darauf, dass Mängel an den Schulen den Ausschlag für die Mobilisierung gegeben hätten.
Nach Angaben des Bildungsministeriums besuchen im Schuljahr 2026 rund 11,6 Millionen Schülerinnen und Schüler das französische Bildungssystem, in dem etwa 1,2 Millionen Menschen beschäftigt sind. Für 2.500 Schulen, die im Sommer als besonders anfällig für Hitze eingestuft wurden, ist ein beschleunigtes Klimaanpassungsprogramm vorgesehen. Für Bau und Unterhalt der Gymnasien sind grundsätzlich die Regionen zuständig.
Die Aktionen treffen auf einen bereits angespannten Schuljahresbeginn. Lehrerverbände berichteten Anfang September, an mehr als der Hälfte der befragten weiterführenden Schulen fehlten Lehrkräfte. Das Ministerium bezeichnete die Zahl der vollständig unbesetzten Stellen hingegen als gering. Dieser Gegensatz prägt nun auch die Auseinandersetzung über Ursachen und Berechtigung der Blockaden.
Quellen
- Franceinfo
- Le Monde
- Französisches Bildungsministerium
- AFP via Boursorama
- CGT Éduc'Action Val-d'Oise
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).