Politik & Gesellschaft

Sozialisten wollen Vorwahl für Ruffin und Tondelier öffnen

Rund hundert Verantwortliche der Sozialistischen Partei fordern eine breitere Vorwahl der französischen Linken. Raphaël Glucksmann lehnt eine Änderung der bereits beschlossenen Regeln ab.

Paris – 08.09.2026: Rund hundert Verantwortliche der Sozialistischen Partei haben sich in einem offenen Brief dafür ausgesprochen, die geplante Vorwahl von Sozialisten und Place Publique für weitere Bewerber zu öffnen. Nach Angaben von Franceinfo sollen daran unter anderem die Grünen-Vorsitzende Marine Tondelier und der Abgeordnete François Ruffin teilnehmen können. Die Unterzeichner wenden sich gegen einen engen Kreis von Kandidaten und mahnen ihre Partei, keine Angst vor demokratischem Wettbewerb zu haben.

Die Initiative verschärft einen Konflikt, der die Sozialistische Partei seit dem Sommer beschäftigt. Parteichef Olivier Faure hatte für eine offene Vorwahl geworben, an der sich Sympathisanten gegen einen Beitrag von zwei Euro beteiligen könnten. Sein Modell sollte mehrere Strömungen der gemäßigten und ökologischen Linken einbeziehen, La France insoumise jedoch ausschließen. Die Parteimitglieder entschieden sich im Juli für ein enger gefasstes Verfahren.

Nach den veröffentlichten Ergebnissen stimmten 55,5 Prozent der Teilnehmer dafür, den sozialistischen Präsidentschaftskandidaten innerhalb eines sozialistischen Bündnisses zu bestimmen. Dazu gehört auch Place Publique, die Partei des Europaabgeordneten Raphaël Glucksmann. Für Faures offene Vorwahl votierten 44,5 Prozent. Das Mitgliedervotum gab dem begrenzten Verfahren eine formale Grundlage, beendete aber den Streit über dessen politische Reichweite und demokratische Legitimation nicht.

Glucksmann wies die Forderung nach einer nachträglichen Öffnung am Dienstag zurück. Die von den Mitgliedern beschlossenen Regeln dürften nicht während des laufenden Verfahrens geändert werden, argumentierte er. Seine Kritik richtet sich damit auch gegen Faure: Wer die Sozialistische Partei führe, müsse die interne Entscheidung ihrer Mitglieder achten. Die gemeinsame Vorwahl von Sozialisten und Place Publique soll nach bisheriger Planung im Oktober 2026 stattfinden.

Ruffin erklärte sich dagegen zur Teilnahme an einem erweiterten Wettbewerb bereit. Der frühere Abgeordnete von La France insoumise, der inzwischen die Bewegung Debout! führt, deutete seinen Ausschluss als Ausdruck taktischer Sorgen möglicher Konkurrenten. Auch Teile der sozialistischen Führung unterstützen eine Öffnung. Parteisprecher Arthur Delaporte stellte sich hinter Faures Linie und verlangte ein Auswahlverfahren mit breiterer gesellschaftlicher Beteiligung.

Tondelier wirbt seit Monaten für eine gemeinsame Vorwahl der linken und ökologischen Kräfte. Für dieses weiter reichende Verfahren ist der 11. Oktober 2026 vorgesehen. Damit stehen derzeit zwei konkurrierende Modelle nebeneinander: die auf Sozialisten und Place Publique begrenzte Abstimmung und der Versuch, vor der Präsidentschaftswahl 2027 ein größeres Bündnis zu bilden. Der offene Brief macht den parteiinternen Widerstand gegen die engere Lösung nun öffentlich sichtbar.

Quellen

  • Franceinfo
  • LCP – Assemblée nationale
  • Marine Tondelier
  • Les Écologistes

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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