Das französische Budget 2025 steht unter dem Zeichen einer gerechteren Steuerpolitik – zumindest nach den Worten des neuen Wirtschaftsministers Éric Lombard. Mit einer ausgestreckten Hand Richtung linker Opposition lud er Vertreter zu Gesprächen in Bercy ein, um den Kurs in Steuerfragen abzustimmen. Seine Vision: Eine gerechte Umverteilung, ohne die Mittelschicht zusätzlich zu belasten.
Doch wer wird wirklich zur Kasse gebeten? Ein Blick auf die geplanten Änderungen.
Keine Mehrbelastung für die Mittelschicht
Für die Mittelschicht gibt es gute Nachrichten: Weder eine Erhöhung der Einkommenssteuer noch eine Anhebung der Mehrwertsteuer sind geplant. Stattdessen wird der Einkommenssteuertarif an die Inflation angepasst, um sogenannte „kalte Progression“ zu vermeiden – also die unfreiwillige Steuererhöhung durch steigende Einkommen. Das rettet etwa 600.000 Franzosen davor, plötzlich steuerpflichtig zu werden.
Doch dieser Schritt hat seinen Preis: Mehrere Milliarden Euro an potenziellen Einnahmen entgehen dem Staat. Eine mutige Entscheidung – oder eine riskante Wette auf zukünftige Einnahmen?
Die Rechnung für die Wohlhabenden
Während die Mittelschicht geschont wird, sollen die oberen Einkommen stärker in die Pflicht genommen werden. Lombard plant eine Sonderabgabe für Haushalte mit hohen Einkommen. Noch sind die Details nicht bekannt, aber der erwartete Beitrag soll rund zwei Milliarden Euro betragen. Eine Maßnahme, die für Applaus auf der linken Seite sorgt, aber sicherlich auch für Diskussionen – vor allem bei den Betroffenen.
Dabei stellt sich eine grundsätzliche Frage: Ist es gerecht, dass ein kleiner Teil der Bevölkerung immer wieder für Haushaltslöcher herhalten muss? Oder sind gerade die Spitzenverdiener in der Lage, eine größere Last zu tragen?
Große Unternehmen im Fokus
Auch für die großen Konzerne wird es ernst: Eine temporäre Übergewinnsteuer steht im Raum. Diese Maßnahme könnte rund 440 Unternehmen betreffen – darunter wohl die Schwergewichte der französischen Wirtschaft. Der Staat erhofft sich daraus Einnahmen von etwa acht Milliarden Euro. Ein ordentlicher Beitrag zur Stabilisierung der Finanzen.
Kritiker könnten jedoch argumentieren, dass eine solche Maßnahme das Investitionsklima verschlechtert oder Arbeitsplätze gefährdet. Die Befürworter hingegen sehen hierin eine gerechte Umverteilung – vor allem in Zeiten, in denen viele große Unternehmen Rekordgewinne verzeichnen.
Ein Balanceakt mit Risiken
Lombards Plan scheint klar: Die Schere zwischen Arm und Reich soll kleiner werden, ohne dabei die Mittelschicht zusätzlich zu belasten. Doch gelingt dieser Balanceakt? Einerseits gibt es das Versprechen von Entlastung, andererseits die Hoffnung auf Mehreinnahmen durch eine kleine, aber wohlhabende Gruppe.
Die Opposition wird nicht müde, das Risiko anzusprechen: Was passiert, wenn die Einnahmen aus der Übergewinnsteuer hinter den Erwartungen zurückbleiben? Muss die Regierung dann doch die Steuerlast auf breitere Schultern verteilen?
Was bleibt für die Zukunft?
Während Éric Lombard die Steuerpolitik für 2025 als „gerechter“ positioniert, bleibt abzuwarten, wie effektiv die Maßnahmen wirklich sind. Klar ist: Die Regierung hat sich einen Weg gewählt, der nicht nur von Zahlen, sondern auch von politischen Überzeugungen geprägt ist. Ob die Rechnung aufgeht, wird sich zeigen.
Doch eines ist sicher: Gerechte Steuerpolitik ist immer auch ein Stück weit ein Drahtseilakt – und manchmal auch ein Spiel mit dem Feuer.