International

Südkoreas digitale Spurensuche gegen sexuelle Deepfakes

In Seoul unterstützt ein ausschließlich mit Frauen besetztes Team Opfer digitaler sexualisierter Gewalt. Seit 2018 betreute die Einrichtung nach eigenen Angaben 53.000 Betroffene und veranlasste die Entfernung von mehr als einer Million rechtswidrigen Inhalten.

Seoul – 20.08.2026: In einem Büro der südkoreanischen Hauptstadt beginnt die Arbeit oft mit einer Nachricht, einem Link oder einem Namen. Ein ausschließlich mit Frauen besetztes Team sucht nach illegal verbreiteten intimen Aufnahmen und künstlich erzeugten sexuellen Darstellungen. Der Auftrag klingt nüchtern, ist für Betroffene jedoch existenziell: Inhalte aufspüren, Plattformen kontaktieren, Löschungen kontrollieren und Menschen begleiten, deren Alltag durch die Veröffentlichung aus den Fugen geraten ist.

Seit der Einrichtung des staatlichen Unterstützungszentrums für Opfer digitaler Sexualdelikte im Jahr 2018 wurden nach Angaben einer aktuellen Franceinfo-Reportage 53.000 Betroffene betreut. Mehr als eine Million rechtswidrige sexuelle Inhalte seien entfernt oder zur Löschung gemeldet worden. Hinter diesen Zahlen stehen häufig wiederkehrende digitale Spuren: Selbst gelöschte Dateien können kopiert, auf anderen Plattformen erneut hochgeladen oder in geschlossenen Gruppen verbreitet werden.

Das Zentrum ist beim Women’s Human Rights Institute of Korea angesiedelt und wird vom südkoreanischen Ministerium für Gleichstellung und Familie unterstützt. Es bietet Beratung, hilft bei der Sicherung von Beweisen und vermittelt Kontakte zu Polizei, Justiz und Gesundheitsdiensten. Schon bei seiner Gründung verwies das Ministerium auf das grundlegende Problem: Einmal veröffentlichte Aufnahmen oder Bildmontagen können sich binnen kurzer Zeit über zahlreiche Plattformen verbreiten.

Besonders belastend sind pornografische Deepfakes. Dabei werden Gesichter realer Personen mithilfe künstlicher Intelligenz in sexualisierte Bilder oder Videos montiert. Für die Betroffenen ist zunächst oft unklar, wie weit das Material verbreitet wurde und wer es hergestellt hat. Die technische Manipulation mindert den Eingriff nicht. Rufschädigung, Angst und der Verlust der Kontrolle über das eigene Bild treffen die Opfer unmittelbar.

Die Arbeit der sogenannten Netzreinigerinnen geht deshalb weit über die Suche am Bildschirm hinaus. Sie dokumentieren Fundstellen, stellen Löschanträge und prüfen anschließend, ob das Material erneut auftaucht. Für 2024 meldete das Ministerium mehr als 300.000 einzelne Unterstützungsleistungen bei der Entfernung entsprechender Inhalte. In mehr als einem Viertel der Fälle waren zugleich persönliche Angaben wie Namen oder Alter öffentlich geworden.

Südkorea hat in den vergangenen Jahren spezialisierte Hilfsangebote aufgebaut und die Regeln gegen digitale Sexualdelikte verschärft. Auch die Stadt Seoul unterhält eine eigene Anlaufstelle. Schwierig bleibt die Entfernung, wenn Dateien auf ausländischen Servern, über wechselnde Konten oder in abgeschotteten Gruppen kursieren. Das staatliche Zentrum setzt deshalb auf fortlaufende Kontrollen nach der ersten Löschung.

Die Zustimmung der Betroffenen gebe dem Team Kraft, seine Arbeit fortzusetzen, berichtet Franceinfo. Die Unterstützung endet nicht mit einem verschwundenen Link: Sie umfasst auch psychosoziale Beratung, Beweissicherung und die Vermittlung an Ermittlungsbehörden, Gerichte und medizinische Stellen.

Quellen

  • Franceinfo-Reportage
  • Südkoreanisches Ministerium für Gleichstellung und Familie
  • Nationales Unterstützungszentrum für Opfer digitaler Sexualdelikte

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

Ende des Artikels