Bayeux – 16.10.2026: Der Teppich von Bayeux soll nach seiner Rückkehr aus Großbritannien nicht mehr wie bisher hängend präsentiert werden. Die fast 70 Meter lange mittelalterliche Stickerei wird im neuen Museum der normannischen Stadt auf einer leicht geneigten Fläche liegen. Bayeux hält damit an einem Konzept fest, das Fachleute seit Jahren als materialschonender ansehen als die bisherige Aufhängung.
Die Veränderung ist kein gestalterischer Einfall, sondern folgt den konservatorischen Anforderungen des Werks. Untersuchungen hatten die Empfindlichkeit des Leinens und der Wollfäden hervorgehoben. Eine senkrechte oder stark gebogene Präsentation kann auf Dauer Zugkräfte erzeugen. Die geplante Neigung soll diese Belastung verringern und zugleich den Blick auf die Erzählung von der normannischen Eroberung Englands ermöglichen.
Der Teppich ist derzeit als außergewöhnliche Leihgabe im British Museum in London zu sehen. Die Vereinbarung zwischen Frankreich und Großbritannien sieht eine Ausstellung von September 2026 bis Juli 2027 vor. Anschließend soll das Werk nach Bayeux zurückkehren. Dort wird das seit September 2025 geschlossene Museum umfassend umgebaut und erweitert.
Kernstück des neuen Hauses wird ein etwa 70 Meter langer Spezialtisch hinter Glas. Er kann für die Präsentation geneigt, für Untersuchungen waagerecht gestellt und für Arbeiten an der Rückseite gedreht werden. Diese Beweglichkeit ist für die vorgesehene Restaurierung besonders wichtig. Sie erlaubt es den Konservatorinnen und Konservatoren, Vorder- und Rückseite der Stickerei zu bearbeiten, ohne das empfindliche Werk wiederholt umlagern zu müssen.
Die Stadt Bayeux verfolgt mit dem Bauvorhaben zwei eng verbundene Ziele: Das neue Museum soll den konservatorischen Anforderungen genügen und die Besucherströme besser lenken. Nach Angaben der Stadt kamen 2024 rund 430.000 Menschen in die Ausstellung. Die bisherigen Räume im ehemaligen Priesterseminar waren für diesen Andrang und die sensible Präsentation des einzigartigen Textils zu eng geworden.
Auch die Form der Schau verändert die Wahrnehmung des Werks. Jahrzehntelang verlief der Teppich in einer U-förmigen Vitrine an der Wand entlang. Künftig soll er in seiner ganzen Länge als fortlaufende Bildfolge lesbar sein. Seine 58 Szenen erzählen von Macht, Eidbruch, Krieg und dem Sieg Wilhelms des Eroberers bei Hastings im Jahr 1066. Die Abfolge der Bilder entfaltet eine beinahe filmische Dynamik, während das Material selbst möglichst wenig belastet werden soll.
Die Wiedereröffnung des Museums ist für November 2027 vorgesehen, im Jahr des tausendsten Geburtstags Wilhelms des Eroberers. Frankreich besitzt den Teppich, die Stadt Bayeux verwahrt und zeigt ihn. Der bewegliche Ausstellungstisch soll künftig zugleich der öffentlichen Präsentation, der wissenschaftlichen Untersuchung und der Restaurierung dienen.
Quellen
- Franceinfo
- Stadt Bayeux
- Musée de la Tapisserie de Bayeux
- Französisches Kulturministerium
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).