Alle Artikel

Traditionsbruch im Höhenflug: Warum das baskische Luftfahrtunternehmen Lauak jetzt indisch ist

Ein großer Name der französischen Luftfahrtindustrie geht neue Wege – und lässt dabei seine Wurzeln nicht hinter sich. Die traditionsreiche Firma Lauak aus dem baskischen Hasparren hat sich in einem mutigen Schritt neu aufgestellt: 51 Prozent der Firmenanteile gehören jetzt dem indischen Industriegiganten Wipro. Damit verliert die Gründerfamilie Charritton die Mehrheit, behält jedoch weiterhin Einfluss…

Screenshot Webseite Groupe-Lauak.com

Ein großer Name der französischen Luftfahrtindustrie geht neue Wege – und lässt dabei seine Wurzeln nicht hinter sich. Die traditionsreiche Firma Lauak aus dem baskischen Hasparren hat sich in einem mutigen Schritt neu aufgestellt: 51 Prozent der Firmenanteile gehören jetzt dem indischen Industriegiganten Wipro. Damit verliert die Gründerfamilie Charritton die Mehrheit, behält jedoch weiterhin Einfluss auf das operative Geschäft.

Was steckt hinter diesem unerwarteten Kurswechsel?

Ein Werkstattbetrieb wird Global Player

Wer die Geschichte von Lauak kennt, erkennt sofort, dass hier mehr als nur ein Eigentümerwechsel passiert. 1975 als kleiner metallverarbeitender Betrieb namens Eskulanak gestartet, hat sich Lauak zu einem der wichtigsten Zulieferer für Branchengrößen wie Airbus, Dassault Aviation und Safran entwickelt. Über 1.800 Mitarbeitende – davon rund 500 im französischen Baskenland – sorgen dafür, dass die Flugzeuge der Welt zuverlässig in die Luft kommen.

Doch die Konkurrenz schläft nicht, und Globalisierung ist schon lange keine freiwillige Option mehr – sie ist Realität.

Kapital, das wachsen lässt

Die Entscheidung, über die Hälfte des Unternehmens an Wipro zu verkaufen, war kein Schnellschuss. Über Jahre hinweg kämpfte die Gründerfamilie mit einem Dilemma: Die Familientradition aufrechterhalten oder den internationalen Anforderungen gerecht werden?

Denn ohne frisches Kapital waren größere Investitionen – etwa in neue Produktionsstätten, Digitalisierung oder mehr Personal – kaum noch zu stemmen. Die Übernahme durch Wipro bringt nun genau das: neue finanzielle Mittel und strategischen Zugang zu Wachstumsmärkten, allen voran Indien.

Der Blick nach Osten

Indien spielt dabei längst keine Nebenrolle mehr. Bereits 2019 hatte Lauak eine Kooperation mit der indischen Firma Cimtools begonnen. Nachdem Motherson 2024 Cimtools vollständig übernommen hatte, kaufte Lauak seine Anteile zurück – ein cleverer Schachzug.

Indien hat großen Hunger nach Flugzeugen. Die Fluggesellschaften Air India und IndiGo haben zusammen rund 1.000 Maschinen bei Airbus bestellt. Zwischen 2030 und 2035 soll geliefert werden. Und laut indischer Gesetzgebung muss ein Teil dieser Produktion vor Ort erfolgen.

Das nennt man: zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.

Lokale Identität trifft globale Struktur

Was bedeutet das aber für die Belegschaft in Frankreich?

Laut Unternehmensführung bleibt das Tagesgeschäft vorerst stabil. Mikel Charritton führt den Betrieb weiterhin – ein wichtiges Signal an die Mitarbeitenden und an die Region. Schließlich steht Lauak nicht nur für Industrie, sondern auch für regionales Selbstverständnis und gewachsene Beziehungen.

Gleichzeitig drängt sich eine berechtigte Frage auf: Kann ein Unternehmen seine lokale Seele bewahren, wenn die Mehrheit der Anteile nun in fernen Gefilden liegt?

Zwischen Euphorie und Skepsis

Wipro bringt viel Know-how mit – und den Zugang zu einem riesigen Markt. Doch mit dieser Expansion wachsen auch die Herausforderungen. Neue Partner, neue Prozesse, neue Erwartungen. Das birgt Chancen, aber auch Risiken. Stimmen sich beide Seiten ab? Bleibt der Standort Hasparren wettbewerbsfähig?

In der Luftfahrt zählt Präzision – nicht nur bei Bauteilen, sondern auch in der strategischen Ausrichtung. Und genau hier liegt die Nagelprobe für Lauak.

Eines steht fest: Der Verkauf an Wipro ist kein Endpunkt, sondern ein Anfang. Eine neue Etappe auf dem Weg eines Unternehmens, das sich nie mit dem Status quo zufriedengegeben hat. Ob diese Partnerschaft ein Höhenflug wird oder zur Bruchlandung führt, entscheidet sich in den kommenden Jahren.

Doch wenn man eines über das baskische Unternehmen sagen kann, dann das: Es weiß, wie man Turbulenzen meistert.

Von Andreas M. Brucker

Ende des Artikels