Dichter Rauch über den Bergen, meterhohe Flammen in der Macchia und Löschflugzeuge am Himmel: Ein schwerer Vegetationsbrand hat am Wochenende im Cap Corse im Norden Korsikas mehr als 100 Hektar Landschaft erfasst. Rund 200 Einsatzkräfte kämpften zeitweise gegen das Feuer. Inzwischen breiten sich die Flammen nicht mehr weiter aus – gebannt ist die Gefahr dennoch nicht vollständig.
Es ging erschreckend schnell.
Am Samstagnachmittag, dem 29. August, brach gegen 14 Uhr bei Cagnano ein Feuer aus. Nach bisherigen Erkenntnissen lag der Ausgangspunkt am Rand der Départementstraße RD 132. Von dort griffen die Flammen auf die dichte Vegetation über und fraßen sich einen Hang hinauf.
Der Wind verschärfte die Lage. Das Feuer zog in südlicher Richtung auf die Höhen von Pietracorbara zu. Innerhalb weniger Stunden brannten große Flächen der korsischen Macchia und angrenzende Waldgebiete. Für Bewohner und Urlauber bot sich ein bedrohliches Bild. „Überall war Rauch“, berichteten Augenzeugen. Zeitweise ließ sich kaum erkennen, welche Ausmaße der Brand tatsächlich angenommen hatte.
Die Behörden reagierten mit einem Großeinsatz. Rund 200 Feuerwehrleute und weitere Kräfte rückten aus, zahlreiche Löschfahrzeuge kamen hinzu. Aus der Luft unterstützten Löschflugzeuge und Hubschrauber die Arbeiten mit Wasserabwürfen.
Ein schwieriger Kampf: Das Gelände im Cap Corse ist vielerorts steil, dicht bewachsen und schwer zugänglich. Gleichzeitig hatten Hitze und Trockenheit die Vegetation in einen leicht entzündlichen Zustand versetzt. Wo normalerweise aromatische Kräuter, Sträucher und Bäume die Landschaft prägen, fand das Feuer reichlich Nahrung.
Am Sonntag folgte die vorsichtige Entwarnung. Die Feuerwehr stufte den Brand als „fixé“ ein. Der französische Begriff bedeutet, dass sich das Feuer nicht mehr weiter ausbreitet. Mit „gelöscht“ ist das allerdings nicht gleichzusetzen.
Nach der jüngsten Bilanz erfassten die Flammen 109 Hektar Vegetation. Frühere Schätzungen lagen teilweise deutlich höher, wurden nach genaueren Messungen jedoch korrigiert.
Bemerkenswert ist angesichts der Bilder vom Brandgebiet, dass keine Menschen verletzt und keine Wohnhäuser zerstört wurden. Ein landwirtschaftlich genutztes Gebäude erlitt allerdings Schäden, ebenso mehrere Fahrzeuge.
Am Sonntag waren noch 137 Einsatzkräfte mit Nachlöscharbeiten beschäftigt. Ihre Aufmerksamkeit galt vor allem Glutnestern. Einige dieser sogenannten Hotspots flammten am Vormittag erneut auf, als die Temperaturen stiegen. Genau darin steckt nun das Risiko: In ausgetrocknetem Boden und verkohlter Vegetation können Glutreste lange überleben und später erneut Feuer entfachen.
Der Großbrand trifft Korsika während einer ohnehin angespannten Wetterlage. Wenige Tage zuvor galt für Haute-Corse wegen hoher Temperaturen die orangefarbene Warnstufe. Bereits seit dem 15. Juni ist der Umgang mit offenem Feuer untersagt. Wegen erheblicher Waldbrandgefahr mussten in diesem Sommer zeitweise außerdem Wald- und Landschaftsgebiete für Besucher gesperrt werden.
Was den Brand bei Cagnano ausgelöst hat, bleibt vorerst offen. Bekannt ist bislang lediglich, dass sein Ausgangspunkt offenbar unmittelbar an einer Straße lag. Damit rückt zwangsläufig auch menschliche Unachtsamkeit in den Blick – von einer weggeworfenen Zigarette bis zu anderen möglichen Zündquellen. Belegt ist eine solche Ursache bislang jedoch nicht.
Für die Menschen im Cap Corse zählt zunächst etwas anderes: Die Häuser blieben verschont. Zurück bleiben dennoch 109 verbrannte Hektar korsischer Landschaft – und die Erinnerung an einen Nachmittag, an dem der Rauch plötzlich den Himmel verdunkelte.
Daniel Ivers