Paris – 13.08.2026: Der Anlauf ist schnell, der Stab liegt fest in den Händen, vor dem Athleten wartet der Einstichkasten. Doch kurz davor bricht die Bewegung ab. Manche Stabhochspringerinnen und Stabhochspringer können den Stab plötzlich nicht mehr einsetzen, im Fachjargon: nicht mehr einstechen. Was zunächst wie ein technischer Fehler wirkt, ist häufig eine mentale Blockade, die Training und Wettkampf über lange Zeit beeinträchtigen kann.
Die Disziplin verlangt eine seltene Verbindung aus Tempo, Kraft, Präzision und Vertrauen. Der Springer beschleunigt mit einem mehrere Meter langen Stab, setzt ihn in den Kasten und verlässt sich für Sekundenbruchteile auf dessen Biegung und Rückstoß. Dringen Zweifel in diesen eingeübten Ablauf ein, genügt ein Zögern am Ende des Anlaufs. Der Sprung ist verloren, noch bevor der Athlet den Boden verlassen hat.
Die Ursachen sind vielfältig. Stürze, Verletzungen, ein gebrochener Stab oder wiederholte Fehlversuche können sich im Bewegungsgedächtnis festsetzen. Auch verändertes Material kann eine Rolle spielen, etwa ein härterer Stab oder ein längerer Anlauf. Die Angst folgt dabei keiner nüchternen Abwägung. Ein Schutzreflex soll den Körper vor einer Gefahr bewahren, blockiert jedoch ausgerechnet eine Bewegung, die zuvor tausendfach trainiert wurde.
Der französische Zehnkampf-Weltrekordler Kevin Mayer hat einen langen Kampf mit dieser Hürde geschildert. Nach Rückenproblemen, weiteren Verletzungen und Schwierigkeiten mit neuem Material gelang ihm das Einstechen zeitweise kaum noch. Mayer verkürzte deshalb seinen Anlauf und arbeitete sich schrittweise zurück: von sechs über acht und zehn auf schließlich zwölf Schritte.
Diese Methode folgt einer klaren Logik. Ein kürzerer Anlauf bedeutet weniger Geschwindigkeit und ermöglicht den Einsatz weicherer, besser kontrollierbarer Stäbe. Der Athlet kann seinen Bewegungsrhythmus wiederfinden, ohne sofort die volle Belastung und frühere Höhen erzwingen zu müssen. Fortschritt bemisst sich dann vorerst nicht in Metern, sondern an jedem vollständig ausgeführten Anlauf.
Auch internationale Spitzenathletinnen kennen solche Phasen. Die Britin Molly Caudery berichtete von mentalen Hemmungen beim Durchlaufen des Anlaufs und beim Wechsel auf einen härteren Stab. Die frühere Olympiasiegerin Katerina Stefanidi bezeichnete Stabhochsprung als psychologisch besonders anspruchsvoll, weil Sicherheit an ein Sportgerät und einen hochkomplexen Bewegungsablauf gebunden ist.
Für Trainerinnen und Trainer bleibt die Arbeit heikel. Zusätzliche technische Hinweise können Orientierung geben, zugleich aber den Druck erhöhen. Nötig sind individuell bemessene Belastungen, Geduld und ein Umfeld, in dem ein abgebrochener Versuch nicht als neues Scheitern gilt. Die sportliche Leistung beginnt deshalb lange vor der überquerten Latte: mit einem Anlauf, der wieder ohne Zögern bis zum Einstichkasten führt.
Quellen
- Franceinfo
- Fédération Française d'Athlétisme
- World Athletics
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).