Politik & Gesellschaft

Wie Manga zum politischen Werbemittel werden

Der Streit um einen angeblichen Dragon-Ball-Park im Val-d'Oise zeigt, wie französische Politiker Manga und Anime zur Ansprache jüngerer Wähler nutzen.

Cergy-Pontoise – 09.09.2026: Die Diskussion über einen möglichen Dragon-Ball-Park im Großraum Paris hat eine politische Nebenwirkung: Sie macht sichtbar, welchen Stellenwert Manga und Anime inzwischen bei der Ansprache jüngerer Wähler in Frankreich haben. Auslöser ist ein von Frankreich und Saudi-Arabien angekündigtes Freizeitprojekt in Cergy-Pontoise. Eine Lizenz für Dragon Ball liegt nach Angaben japanischer Rechteinhaber allerdings nicht vor.

Die gemeinsame Erklärung des Elysée-Palasts und der saudi-arabischen Regierung vom 25. August beschreibt ein gemischt genutztes Großprojekt der Qiddiya Investment Company mit mehreren Parks, Hotels sowie Kultur- und Sportangeboten. Das Gesamtvolumen wird über den gesamten Entwicklungszyklus auf rund sechs Milliarden Euro beziffert. Auf Dragon Ball oder eine andere Manga-Marke legt sich das Dokument nicht fest. Zwischen der politischen Ankündigung und der rechtlich gesicherten Nutzung einer weltweit bekannten Marke besteht damit ein erheblicher Abstand.

Valérie Pécresse, Präsidentin der Region Île-de-France, hatte öffentlich einen Bezug zu Dragon Ball hergestellt. Toei Animation erklärte dagegen Ende August, weder das Unternehmen noch andere Rechteinhaber hätten einen französischen Themenpark genehmigt. Die Rechte an der Reihe verteilen sich auf mehrere Akteure, darunter Toei Animation, Shueisha, Bird Studio und Bandai Namco. Ein Park unter dem Markennamen kann daher nur auf Grundlage abgestimmter Verträge entstehen.

Der Vorgang reicht über die missglückte Kommunikation eines Investitionsprojekts hinaus. Manga gehören in Frankreich seit Langem zum kulturellen Alltag einer Generation, die mit japanischen Zeichentrickserien im Fernsehen und später mit Comics, Streamingdiensten und Videospielen aufgewachsen ist. Politiker nutzen diese Kultur zunehmend als öffentliches Identifikationsangebot, ähnlich wie Popmusik, Sport oder digitale Plattformen. Emmanuel Macron hat sein Interesse an Manga mehrfach erkennen lassen; sein Umfeld verwies im Zusammenhang mit dem saudischen Projekt auf eine gemeinsame Vorliebe mit Kronprinz Mohammed bin Salman.

Auch die politische Linke greift auf die Bildsprache der Popkultur zurück. La France insoumise setzt seit Jahren stark auf soziale Netzwerke und kurze Videos, um parlamentarische Auftritte außerhalb klassischer Nachrichtensendungen zu verbreiten. Symbole, Anspielungen und Codes digitaler Gemeinschaften können den Zugang zu politischen Botschaften erleichtern, ersetzen jedoch keine inhaltliche Position. Ob Manga-Motive tatsächlich Wahlentscheidungen beeinflussen, lässt sich kaum messen.

Für die Parteien verspricht diese Kommunikation vor allem Sichtbarkeit bei jüngeren Menschen, deren Bindung an traditionelle Parteien schwächer ist als in früheren Generationen. Deshalb konnte eine japanische Popkulturmarke binnen weniger Tage zum innenpolitischen Thema werden. Das Investitionsvorhaben für Cergy-Pontoise besteht fort; eine Lizenz für einen Dragon-Ball-Park ist bislang nicht bestätigt.

Quellen

  • Franceinfo
  • Elysée-Palast
  • RTL
  • Le Monde

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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