Paris – 05.10.2026: Seit Beginn der landesweiten Schülerproteste hat die französische Polizeiaufsicht IGPN zehn Untersuchungen eingeleitet. Das teilte das Innenministerium am Montagabend mit. Noch am Nachmittag war öffentlich von sechs Verfahren die Rede gewesen. Nach Informationen von France Inter wurden seit Freitag fünf weitere Untersuchungen eröffnet. Die IGPN prüft Vorwürfe im Zusammenhang mit Polizeieinsätzen bei Blockaden und Demonstrationen.
Die Zahl der Verfahren erlaubt keine Rückschlüsse auf eine mögliche Schuld. Als interne Kontrollbehörde der Nationalpolizei untersucht die IGPN je nach Sachlage mögliche dienstrechtliche oder strafrechtlich relevante Verstöße. Ob einzelne Beamte bereits konkret beschuldigt werden und welche Vorwürfe in den zuletzt bekannt gewordenen Verfahren geprüft werden, teilten die Behörden zunächst nicht mit. Ergebnisse liegen bislang ebenfalls nicht vor.
Zu den zuerst öffentlich gewordenen Fällen gehören Einsätze in Sevran und Saint-Denis im Département Seine-Saint-Denis, in Saint-Ouen-l'Aumône und Argenteuil im Val-d'Oise sowie in Tours und Lens. Die jeweiligen Abläufe unterscheiden sich erheblich. Die Verfahren werden deshalb getrennt geführt; aus ihrer Gesamtzahl lässt sich weder auf ein einheitliches Vorgehen der Polizei noch auf die Verantwortung einzelner Einsatzkräfte schließen.
Besonders schwer wiegt ein Vorfall in Lens. Dort wurde ein 15 Jahre alter Schüler während einer Protestaktion schwer an der Hand verletzt. Die IGPN befasst sich mit dem Polizeieinsatz, zugleich wurde die Staatsanwaltschaft von Béthune eingeschaltet. Bildungsminister Édouard Geffray bezeichnete die Verletzung als menschlich dramatisch und mahnte zur Vorsicht bei der Bewertung des bislang ungeklärten Geschehens.
Auch aus Tours, Saint-Ouen-l'Aumône und Argenteuil wurden Verletzungen Jugendlicher gemeldet. In Tours verlor ein 16-Jähriger nach Angaben seiner Familie die Sehkraft auf einem Auge; seine Angehörigen erstatteten Anzeige. In Saint-Ouen-l'Aumône berichtete die Mutter eines 14-Jährigen von schweren Kieferverletzungen nach einem Einsatz in der Nähe einer Schule. Solche Schilderungen bilden Anhaltspunkte für die Ermittlungen, sind aber noch keine abschließend festgestellten Tatsachen.
Die Aufsicht muss nun unter anderem Einsatzberichte, Bildmaterial und Zeugenaussagen auswerten. Ihre Ermittlungen können sowohl das Verhalten einzelner Beamter als auch die erteilten Anweisungen betreffen. Die Einschaltung der IGPN bedeutet zunächst, dass ein Verdacht förmlich geprüft wird; sie nimmt weder das Ergebnis vorweg noch ersetzt sie in strafrechtlichen Fällen die Arbeit der Staatsanwaltschaft.
Innenminister Laurent Nuñez erklärte nach Angaben seines Ministeriums, er sei bereit, den zuständigen Parlamentsausschüssen Fragen zu Einsatzanweisungen, Polizeistrategie und den Bedingungen der Einsätze zu beantworten. Parallel meldete das Innenministerium seit Beginn der Proteste zahlreiche Festnahmen und verletzte Polizeikräfte. Zu den zehn Untersuchungen hat die IGPN bislang keine Ergebnisse veröffentlicht.
Quellen
- Franceinfo
- France Inter
- Le Monde
- Le Parisien mit AFP
- TF1 Info
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).